Das Afrikanische Jahr: Siebzehn Staaten, 1960

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Das Afrikanische Jahr: Siebzehn Staaten, 1960

Im Lauf eines einzigen Jahres wurden siebzehn afrikanische Länder unabhängig. Kamerun machte im Januar 1960 den Anfang, Mauretanien beschloss die Reihe im November, dazwischen lagen Senegal, Mali, Madagaskar, Kongo, Somalia, Nigeria und weitere. Die Mitgliederzahl der Vereinten Nationen wuchs um fast ein Drittel. Historiker nennen 1960 seither das Afrikanische Jahr.

Die Wende hatte sich über Jahre aufgebaut. Ghana war 1957 vorangegangen, der Dienst im Krieg hatte einer Generation gezeigt, dass Imperien nicht unbesiegbar sind, und die Kolonialmächte waren erschöpft und immer weniger bereit, für Besetzung zu zahlen. Im Februar 1960 sagte der britische Premierminister Harold Macmillan vor dem südafrikanischen Parlament, ein Wind der Veränderung wehe über den Kontinent, ein Satz, der ebenso seiner eigenen Regierung galt wie den Gastgebern.

Der Unabhängigkeitstag in Léopoldville am 30. Juni war einer jener Augenblicke, die man behielt. Der kongolesische Ministerpräsident Patrice Lumumba sprach vor dem scheidenden König über die Wirklichkeit der Kolonialherrschaft, eine Rede, die nicht auf dem offiziellen Programm stand. Binnen Monaten steckte das Land in der Krise, Lumumba wurde abgesetzt und später getötet, und der Kongo wurde zu einem der ersten Schauplätze der Einmischung des Kalten Krieges in Afrika.

Das Jahr gab dem Kontinent seine Staaten und auch seine Probleme. In europäischen Hauptstädten gezogene Grenzen wurden zu Staatsgrenzen, vielerorts folgte auf die Unabhängigkeit die Einparteienherrschaft, und auswärtige Mächte mischten sich weiter ein. Die Leistung steht dennoch für sich. In zwölf Monaten hörten Dutzende Millionen Menschen auf, Untertanen ferner Regierungen zu sein, und die 1963 gegründete Organisation für Afrikanische Einheit gab den neuen Staaten einen eigenen Tisch.

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