Der Durchbruch der Schallmauer: Mach 1, 1947
1947 · event

Am 14. Oktober 1947 wurde hoch über dem trockenen Seebett von Muroc in der kalifornischen Wüste ein kleines oranges Flugzeug aus dem Rumpf eines Bombers ausgeklinkt, zündete sein Raketentriebwerk und stieg. In etwa dreizehntausend Metern Höhe sprang die Nadel des Machmeters, und das Rütteln hörte auf. Beobachter am Boden hörten ein Geräusch wie fernes Donnern. Chuck Yeager, ein vierundzwanzigjähriger Testpilot, war mit der Bell X-1 schneller als der Schall geflogen, als erster Mensch im Horizontalflug.
Ingenieure hatten im Krieg zugesehen, wie sich Flugzeuge beim Annähern an die Schallgeschwindigkeit selbst zerlegten, und der Ausdruck Schallmauer legte eine Wand in der Luft nahe. Die X-1 war gebaut, um hindurchzugehen. Ihr Rumpf hatte die Form eines Gewehrgeschosses, dazu dünne, gerade Tragflächen und ein verstellbares Höhenleitwerk, und sie verbrannte Alkohol und flüssigen Sauerstoff für weniger als drei Minuten Antrieb.
Zwei Nächte zuvor hatte sich Yeager bei einem Sturz vom Pferd zwei Rippen gebrochen. Er sagte nichts, weil man ihn ersetzt hätte, und ein Kollege schnitt ihm ein Stück Besenstiel zurecht, damit er mit dem linken Arm hinübergreifen und die Luke schließen konnte. Der Flug war geheim, und die Welt erfuhr erst Mitte 1948 davon.
Der Überschallflug wurde rasch vom Laborergebnis zur alltäglichen Ingenieurarbeit. Binnen eines Jahrzehnts flogen Jäger mit doppelter Schallgeschwindigkeit, und binnen zwanzig Jahren entstand ein Verkehrsflugzeug, das Passagiere darüber hinaus tragen sollte. Die X-1 hängt heute im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington, und der Begriff Schallmauer blieb als Bezeichnung für etwas, das nie wirklich eine Wand war.