Ayrton Senna at Imola: 1 May 1994
1994 · event

Am Nachmittag des 1. Mai 1994 verließ in der siebten Runde des Großen Preises von San Marino in Imola der Wagen von Ayrton Senna in der schnellen Tamburello-Kurve die Strecke und schlug in die Betonmauer ein. Der brasilianische Fahrer, dreifacher Weltmeister und zu jener Zeit die meistbewunderte Gestalt des Sports, starb an seinen Verletzungen. Es war das dunkelste Wochenende der Formel-1-Geschichte. Der österreichische Fahrer Roland Ratzenberger war tags zuvor im Qualifying ums Leben gekommen, und am Freitag hatte ein weiterer Fahrer einen schweren Unfall überlebt.
Senna hatte seinen ersten Titel 1988 gewonnen und sich einen Ruf für außergewöhnliche Schnelligkeit im Regen und für einen Ernst gegenüber seiner Arbeit erworben, der ihn heraushob. An jenem Wochenende war er zugleich beunruhigt. Er hatte mit anderen Fahrern über die Wiederbelebung ihrer Vereinigung gesprochen, um bessere Sicherheit durchzusetzen, und in seinem Wagen fand sich eine österreichische Flagge, die er nach dem Rennen für Ratzenberger hatte hochhalten wollen.
Brasilien ordnete drei Tage Staatstrauer an. Schätzungsweise drei Millionen Menschen säumten in São Paulo den Weg des Trauerzuges. In Italien folgte ein langes Gerichtsverfahren, im Sport das umfassendste Sicherheitsprogramm, das je unternommen wurde, mit umgebauten Strecken, festeren Fahrzeugen, vorgeschriebenem Kopfschutz, medizinischen Abläufen und ständigen Tests. Auch Tamburello wurde zu einer langsameren Kurve umgestaltet.
Die Maßnahmen wirkten. Mehr als zwanzig Jahre vergingen, bis an einem Formel-1-Rennwochenende erneut ein Fahrer starb. In Brasilien erinnert man sich an Senna ebenso wegen seiner Stiftung, die die Ausbildung von Millionen Kindern gefördert hat, wie wegen seines Fahrens. Der Sport, der ihn an jenem Sonntag verlor, wurde gerade durch ihn zu einem Ort, an dem Fahrer nach Hause kommen sollen.