Der Salzmarsch: Gandhi geht zum Meer

1930 · event

Der Salzmarsch: Gandhi geht zum Meer

Am 12. März 1930 verließ Mohandas Gandhi mit achtundsiebzig Begleitern seinen Aschram bei Ahmedabad und begann einen Weg von dreihundertfünfundachtzig Kilometern zur Küste. Der Marsch dauerte vierundzwanzig Tage. Er sprach in den Dörfern am Weg, die Gruppe wuchs unterwegs, und Zeitungen in aller Welt verfolgten jede Etappe. Am Morgen des 6. April bückte er sich am Strand von Dandi und hob einen Klumpen natürliches Salz aus dem Sand auf.

Diese Geste war eine Straftat. Das britische Gesetz behielt Herstellung und Verkauf von Salz der Kolonialregierung vor und besteuerte es, was bedeutete, dass der ärmste Haushalt Indiens eine Steuer auf etwas zahlte, das er sonst aus dem Meer hätte holen können. Gandhi hatte das Salzgesetz gerade deshalb gewählt, weil es alle betraf und weil sein Bruch weder Waffen noch Vermögen erforderte.

Binnen weniger Wochen gewannen oder verkauften Millionen Menschen an Indiens Küsten unerlaubt Salz. Zehntausende wurden verhaftet, darunter Gandhi. An den Salinen von Dharasana traten Reihen von Freiwilligen vor und ließen sich von der Polizei schlagen, ohne die Hand zu heben, und der Bericht eines amerikanischen Korrespondenten darüber erschien in mehr als tausend Zeitungen. Das moralische Gewicht verschob sich endgültig.

Die Kampagne beendete die Kolonialherrschaft nicht, die Unabhängigkeit kam siebzehn Jahre später. Sie veränderte jedoch die Bedingungen. Sie zeigte eine Massenbewegung, der mit Gewalt nicht zu begegnen war, ohne dass die Antwort überall sichtbar wurde, und sie gab späteren Bewegungen eine brauchbare Methode. Martin Luther King studierte sie genau, und der Weg zum Meer bleibt das meistzitierte Beispiel für zivilen Ungehorsam.

← Welt der Erinnerungen