Die Höhle von Postojna: Sloweniens Unterwelt

1818 · place

Die Höhle von Postojna: Sloweniens Unterwelt

Im April 1818 bereitete ein einheimischer Lampenwärter namens Luka Čeč den bekannten Teil einer Höhle bei Postojna auf den Besuch des österreichischen Kaisers vor. Beim Überklettern einer Felswand blickte er plötzlich in einen Gang, den noch niemand betreten hatte. Dahinter lagen Halle um Halle weißer und ockerfarbener Tropfsteine, ein unterirdischer Fluss und kilometerlange Gänge. Die Höhle von Postojna, die Menschen seit Jahrhunderten besuchten und in die sie seit dem dreizehnten Jahrhundert ihre Namen schrieben, erwies sich als weit größer als gedacht.

Die Höhle liegt im slowenischen Karst, jener Kalklandschaft, die der Geologie weltweit das Wort Karst gab, wo Regen durch Spalten versickert und den Fels zu Höhlen, Dolinen und verschwindenden Flüssen auflöst. Heute sind rund vierundzwanzig Kilometer Gänge vermessen, und Besucher fahren mit einer Untergrundbahn hindurch, die seit 1872 verkehrt und zu den ersten ihrer Art überhaupt gehört.

Die Höhle hat einen berühmten Bewohner. Der Grottenolm ist ein blasser, blinder Lurch von bis zu dreißig Zentimetern Länge, der sein ganzes Leben im Wasser dieser Höhlen verbringt, jahrelang ohne Nahrung auskommen kann und bis zu hundert Jahre alt wird. Einheimische glaubten einst, die von Hochwasser herausgespülten Tiere seien Drachenjunge, und im Slowenischen heißt das Wesen wegen seiner Hautfarbe bis heute Menschenfischlein. 2016 legte ein Weibchen im Schauaquarium Eier, und das Schlüpfen wurde weltweit verfolgt.

Postojna hat mehr als einundvierzig Millionen Besucher empfangen und ist damit die meistbesuchte Schauhöhle Europas. Für Slowenien ist sie zugleich Wahrzeichen und Labor, der Ort, an dem die Höhlenforschung als Wissenschaft begann und an dem ein kleines Land eines der bestdokumentierten Stücke des unterirdischen Europa bewahrt.

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