Das One Love Peace Concert: Kingston, 1978
1978 · music

Am 22. April 1978 war das Nationalstadion in Kingston voll für ein Konzert, das als Versuch gedacht war, das Töten zu beenden. Jamaika erlebte seit Jahren Straßengewalt zwischen Banden, die den beiden großen Parteien nahestanden, und die Idee eines musikalischen Waffenstillstands kam aus genau diesen Vierteln. Bob Marley sagte als Hauptact zu. Er hatte das Land verlassen, nachdem 1976 in seinem Haus auf ihn geschossen worden war, und kehrte dafür zurück.
Das Aufgebot war die versammelte Kraft der jamaikanischen Musik jener Zeit, darunter Peter Tosh, Dennis Brown, Culture, Big Youth und Jacob Miller. Tosh nutzte seinen Auftritt für eine unmittelbare und zornige Rede über den Umgang mit armen Jamaikanern, vor den Politikern im Publikum. Marley beschloss den Abend und rief während des Liedes Jammin den Premierminister Michael Manley und den Oppositionsführer Edward Seaga auf die Bühne, nahm jeden bei der Hand und führte beide über seinem Kopf zusammen.
Das Foto dieses Augenblicks ging um die Welt. Der damit besiegelte Frieden hielt nicht lange, und die Gewalt kehrte binnen Monaten zurück, was zur ehrlichen Erzählung dazugehört. Erreicht hat der Abend eine öffentliche Erklärung, abgegeben von Musikern statt von Politikern, dass das Töten nicht unvermeidlich sei.
Später im selben Jahr erhielt Marley bei den Vereinten Nationen eine Friedensmedaille einer Gruppe von Staaten. Das Konzert bleibt das bekannteste Beispiel dafür, dass jamaikanische Musik unmittelbar in die Politik des Landes eingriff, und das Bild zweier Gegner, die sich auf einer Bühne in Kingston an den Händen halten, wird noch immer herangezogen, wenn jemand fragt, ob Musik überhaupt etwas bewirken kann.