Die Wilhelm Gustloff: Die tödlichste Nacht auf See

1945 · event

Die Wilhelm Gustloff: Die tödlichste Nacht auf See

In der eisigen Nacht des 30. Januar 1945 verließ das deutsche Schiff Wilhelm Gustloff den Hafen von Gotenhafen im besetzten Polen und beförderte Tausende von Flüchtlingen, die über die Ostsee nach Westen flohen. Frauen, Kinder und ältere Zivilisten drängten sich auf den Decks und in den Gängen zusammen mit verwundeten Soldaten, alle suchten Rettung vor den vorrückenden sowjetischen Streitkräften. Kurz nach neun Uhr abends trafen drei Torpedos des sowjetischen U-Boots S-13 das Schiff. Innerhalb einer Stunde sank die Gustloff in die eisigen Fluten und riss die meisten an Bord mit sich.

Die Wilhelm Gustloff war 1937 als Kreuzfahrtschiff für organisierte Urlaubsreisen gebaut worden, Teil eines staatlichen Freizeitprogramms. Als 1939 der Krieg ausbrach, übernahm die Marine sie, zunächst als Lazarettschiff, dann als Unterkunft für Marinerekruten in Gotenhafen. Im Januar 1945, als die Ostfront zusammenbrach, wurde das Schiff eilig vorbereitet, um an der Massenevakuierung von Deutschen aus dem Baltikum teilzunehmen, einer Operation zur Rettung von Zivilisten und Militärpersonal auf dem Seeweg.

Rettungsschiffe zogen in jener Nacht weniger als tausend Überlebende aus dem Wasser. Schätzungen der Toten erreichen über neuntausend, obwohl niemals eine genaue Zahl bekannt sein wird, weil Passagierlisten im Chaos der Abfahrt unvollständig waren. Der Verlust übertraf jede bisherige Katastrophe auf See bei weitem.

Der Untergang der Wilhelm Gustloff bleibt die größte Schiffskatastrophe der Geschichte nach Zahl der Todesopfer. Sie erinnert an das unermessliche Leid der Zivilbevölkerung in den Schlussmonaten des Zweiten Weltkriegs und an die menschlichen Kosten, wenn Krieg und Flucht auf offener See aufeinandertreffen.

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