Graceland: Paul Simon, 1986

1986 · music

Graceland: Paul Simon, 1986

Graceland erschien im August 1986 und verkaufte sich rund sechzehn Millionen Mal. Paul Simon hatte einen großen Teil davon in Johannesburg mit südafrikanischen Musikern aufgenommen, darunter der Gitarrist Ray Phiri, der Bassist Bakithi Kumalo und der Chor Ladysmith Black Mambazo, dessen enger Satzgesang der Platte mehrere ihrer bekanntesten Momente gab. Die Rhythmen kamen aus Mbaqanga und Township Jive, und die Lieder entstanden danach, über dem, was die Musiker gespielt hatten.

Das Album war zugleich eine öffentliche Auseinandersetzung. Südafrika stand wegen der Apartheid unter einem Kulturboykott, und Simon brach ihn mit den Aufnahmen dort. Die Anti-Apartheid-Bewegung und der Afrikanische Nationalkongress kritisierten ihn, er wurde auf eine Liste der Vereinten Nationen gesetzt und später wieder gestrichen. Seine Verteidigung lautete, er habe mit schwarzen südafrikanischen Musikern auf Augenhöhe gearbeitet, sie weit über dem üblichen Satz bezahlt und namentlich genannt, und die Musik selbst trage ihre Stimmen zu einem Publikum, das sie sonst nie gehört hätte. Beide Positionen hatten Gewicht, und der Streit wurde nie ganz beigelegt.

Unbestritten ist die Wirkung auf die Musiker. Ladysmith Black Mambazo wurden aus einem nationalen ein internationaler Begriff und tourten jahrzehntelang um die Welt. Millionen Hörer in Europa und Amerika hörten südafrikanische Musik zum ersten Mal wirklich, zu einer Zeit, in der das Land aus anderen Gründen in den Nachrichten war.

Graceland gewann 1987 den Grammy als Album des Jahres. Simon kehrte 2012 mit den überlebenden Musikern für einen Dokumentarfilm nach Südafrika zurück, der die Kontroverse ehrlich noch einmal aufrollte, mit Beteiligten beider Seiten der Boykottdebatte. Die Platte bleibt ein Lehrstück darüber, wie Kunst eine politische Linie überschreiten und dennoch wertvoll sein kann.

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