Der Unfall von Fukushima Daiichi: Japan, 2011
2011 · event

Am 11. März 2011 ereignete sich vor der japanischen Küste ein Erdbeben der Stärke 9,1, das einen Tsunami auslöste. Die Wellen erreichten das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi an der Nordostküste des Landes. Das Wasser überschwemmte die Anlage und legte die Kühlsysteme lahm, die die Reaktoren sicherten. In den folgenden Tagen kam es in drei der sechs Reaktoren zu Kernschmelzen, und Wasserstoffexplosionen zerstörten die Schutzhüllen der Gebäude. Radioaktivität begann in die umgebende Luft, den Boden und das Meer zu entweichen. Die Behörden ordneten die Evakuierung aller Menschen in einem Umkreis von 30 Kilometern an.
Fukushima Daiichi war seit 1971 in Betrieb, eines der größten Kernkraftwerke der Welt mit einer Gesamtleistung von 4,7 Gigawatt. Gebaut und betrieben wurde es gemeinsam von der Tokyo Electric Power Company und General Electric. Die Anlage stand in den Gemeinden Ōkuma und Futaba in der Präfektur Fukushima. Am Tag der Katastrophe liefen drei Reaktoren, zwei befanden sich in Wartung, einer war abgeschaltet. Alle waren Siedewasserreaktoren, die von Systemen gekühlt wurden, welche auf Elektrizität und als Reserve auf Dieselgeneratoren angewiesen waren.
Die japanische Regierung erklärte im April 2011 einen Sperrkreis von 20 Kilometern um die Anlage, der nur unter Aufsicht betreten werden durfte. Mehr als 150.000 Menschen verließen ihre Häuser, viele kehrten nie zurück. Die verbliebenen Reaktoren wurden in den folgenden Jahren dauerhaft stillgelegt. Aufräumtrupps arbeiteten in Schutzkleidung inmitten hoher Strahlung, räumten Trümmer weg und versuchten, kontaminiertes Wasser einzudämmen, das sich weiter ansammelte. 2021 genehmigte die Regierung einen Plan, behandeltes Wasser über drei Jahrzehnte in den Pazifik abzulassen.
Fukushima Daiichi bleibt der schwerste Atomunfall seit Tschernobyl und hat die globale Energiepolitik neu geformt. Deutschland und mehrere andere Länder beschleunigten ihren Ausstieg aus der Kernenergie. In Japan wurden alle Atomreaktoren vorübergehend für Sicherheitsüberprüfungen abgeschaltet, und das öffentliche Vertrauen in die Technologie zerbrach. Die Katastrophe unterstrich die Verwundbarkeit komplexer Systeme gegenüber Naturgewalten und hinterließ eine Generation, die mit Fragen nach Risiko, Verantwortung und dem langen Schatten unsichtbarer Kontamination ringt.