Der Untergang der Estonia: Die Ostsee, 1994

1994 · event

Der Untergang der Estonia: Die Ostsee, 1994

Kurz nach Mitternacht am 28. September 1994 überquerte die Fähre MS Estonia die Ostsee von Tallinn nach Stockholm, als ihr Bugvisier bei schwerem Wetter versagte. Wasser flutete binnen Minuten das Autodeck, und das Schiff legte sich rasch auf die Steuerbordseite, bevor es kenterte. Von den 989 Menschen an Bord verloren 852 ihr Leben in den kalten Gewässern. Nur 137 überlebten, viele wurden aus Rettungsflößen von Rettungsschiffen gezogen, die den Unglücksort in Dunkelheit und hohen Wellen erreichten.

Die Estonia war 1980 in Deutschland gebaut worden und hatte über ein Jahrzehnt lang auf verschiedenen Routen über die Ostsee gedient, zunächst von finnischen Firmen betrieben und ab Anfang 1993 von Estline zwischen Tallinn und Stockholm. Sie war eine RoRo-Passagierfähre, ausgelegt für den Transport von Hunderten von Reisenden und ihren Fahrzeugen auf nächtlichen Überfahrten. Die meisten an Bord in jener Nacht waren Schweden und Esten, die von Geschäfts- oder Familienbesuchen zurückkehrten, zusammen mit Passagieren aus mehreren anderen Ländern.

Das Schiff sank in internationalen Gewässern innerhalb einer Stunde nach dem Versagen des Bugvisiers. Schwedische, finnische und estnische Rettungsdienste starteten eine große Such- und Bergungsaktion unter schwierigen Bedingungen. Viele Opfer waren im Rumpf eingeschlossen oder starben an Unterkühlung im Meer. Die endgültige Opferzahl machte dies zu einer der schlimmsten Schiffskatastrophen Europas in Friedenszeiten. Das Wrack ruht auf dem Meeresgrund und ist durch internationale Vereinbarung als Grabstätte ausgewiesen.

Die Katastrophe führte zu großen Änderungen der Fährsicherheitsvorschriften in Europa und darüber hinaus. Eine offizielle Untersuchung kam zu dem Schluss, dass fehlerhafte Verriegelungsmechanismen am Bugvisier zusammen mit konstruktiven Schwächen und unzureichender Reaktion der Besatzung die Katastrophe verursachten. Eine weitere technische Prüfung im Jahr 2023 stellte zusätzliche Konstruktionsfehler fest. Der Tragödie wird in Schweden, Estland und Finnland mit jährlichen Gedenkfeiern gedacht, und sie hat die Art und Weise verändert, wie moderne Passagierfähren entworfen, betrieben und überprüft werden.

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