Der Vorfall am Djatlow-Pass: Der nördliche Ural, 1959
1959 · event

Im Winter 1959 brachen zehn Studierende und Absolventen des Uraler Polytechnischen Instituts zu einer langen Skitour durch den nördlichen Ural auf. Einer kehrte krank um. Die verbliebenen neun, geführt von dem erfahrenen Igor Djatlow, schlugen ihr Zelt am offenen Hang eines Berges auf, den die dort lebenden Mansi Cholat Sjachyl nennen. In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar trieb sie etwas aus dem Zelt, das später von innen aufgeschnitten gefunden wurde. Alle neun starben im Schnee bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, einige anderthalb Kilometer entfernt, mehrere ohne ausreichende Kleidung oder Schuhe.
Die Suchmannschaften fanden die ersten Toten binnen Wochen, die letzten erst im Mai, als der Schnee schmolz. Einige der Gruppe hatten schwere Brustkorb- und Schädelverletzungen erlitten, wie sie eher durch großen Druck als durch einen Sturz oder einen Kampf entstehen. Die sowjetische Untersuchung schloss den Fall mit jener Formel, die ihn seither begleitet, die Wanderer seien von einer zwingenden Naturgewalt getötet worden, der sie nicht gewachsen waren. Das Gebiet blieb mehrere Jahre für Reisende gesperrt.
Weil eine klare Erklärung fehlte, wurde die Geschichte zum dauerhaften Gegenstand von Spekulationen, und jedes Jahrzehnt fügte neue Theorien hinzu, vom Wetter bis zu Waffentests. 2019 öffneten die russischen Behörden die Akte erneut, und 2021 veröffentlichten zwei Forscher in der Schweiz ein physikalisches Modell, das zeigt, wie ein kleines, verzögertes Schneebrett an genau diesem Hang schlafende Menschen durch das Zelt hätte zerdrücken können, ohne kaum sichtbare Spuren zu hinterlassen.
Der Pass trägt heute den Namen des jungen Mannes, der die Gruppe führte. Was bleibt, ist kein Rätsel zur Unterhaltung, sondern neun Studierende, die die Berge liebten, ein Gedenkstein über dem Tal und die Mahnung, wie schnell sich die winterliche Wildnis gegen Menschen wenden kann, die genau wissen, was sie tun.