Die Meile unter vier Minuten: Oxford, 1954

1954 · event

Die Meile unter vier Minuten: Oxford, 1954

Am Abend des 6. Mai 1954 wehte ein starker Wind über die Aschenbahn an der Iffley Road in Oxford. Roger Bannister, ein fünfundzwanzigjähriger Medizinstudent, hätte den Versuch beinahe abgesagt. Kurz vor dem Start ließ der Wind nach, und mit zwei Freunden als Tempomacher, Chris Brasher in der ersten Hälfte und Chris Chataway in der dritten Runde, lief er das letzte Stück allein und brach im Ziel zusammen. Der Sprecher begann die Zeit zu verlesen, und die Menge übertönte ihn schon bei den Worten drei Minuten. Die Meile war in drei Minuten neunundfünfzig Komma vier Sekunden gelaufen worden.

Die Meile unter vier Minuten war in der Leichtathletik zu einer festen Vorstellung geworden, über die man wie über eine körperliche Mauer sprach und nicht wie über eine Zahl. Bannister trainierte in den Lücken eines Krankenhausdienstplans, oft weniger als eine Stunde am Tag, und ging die Aufgabe ebenso als Wissenschaftler wie als Athlet an, indem er im Labor seines Arbeitsplatzes den eigenen Sauerstoffverbrauch untersuchte.

Die Schranke hielt sechsundvierzig Tage. Der Australier John Landy lief im Juni in Finnland eine schnellere Meile, und im August trafen die beiden in Vancouver zu einem Rennen aufeinander, das die Wundermeile genannt wurde, mit beiden Läufern unter vier Minuten und einem Sieg Bannisters, nachdem Landy in der letzten Kurve über die Schulter geblickt hatte.

Bannister beendete noch im selben Jahr seine Laufbahn und arbeitete sein Leben lang als Neurologe, wobei er seine medizinische Arbeit als die für ihn wichtigere Leistung bezeichnete. Der Lauf bleibt in Erinnerung, weil er veränderte, was Läufer für erreichbar hielten. Binnen weniger Jahre war die Meile unter vier Minuten unter den Besten gewöhnlich, und sie ist bis heute das klarste sportliche Beispiel für eine Grenze, die vor allem im Kopf bestand.

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