Das Unglück von Aberfan: Ein walisisches Dorf, 1966

1966 · event

Das Unglück von Aberfan: Ein walisisches Dorf, 1966

Am Morgen des 21. Oktober 1966 waren die Kinder der Pantglas Junior School in Aberfan, einem Bergarbeiterdorf in Südwales, gerade zum letzten Schultag vor den Ferien eingetroffen. Ueber dem Dorf lag eine Halde aus Abraum und Schlamm der örtlichen Zeche. Nach tagelangem starkem Regen geriet die durchnässte Halde in Bewegung, und eine Lawine aus schwarzem Material glitt den Hang hinab und verschüttete die Schule sowie eine Häuserzeile. Einhundertvierundvierzig Menschen starben, einhundertsechzehn von ihnen waren Kinder.

Aberfan war eine enge Gemeinschaft rund um einen einzigen Wirtschaftszweig, und fast jede Familie im Dorf verlor jemanden oder kannte jemanden, der einen Verlust erlitt. Bergleute verließen die Grube und gruben die ganze Nacht neben Eltern und Nachbarn. Schon nach Stunden war klar, dass niemand mehr lebend geborgen werden würde, doch das Graben ging weiter, weil Aufhören undenkbar war.

Die anschließende Untersuchungskommission stellte fest, dass das Unglück hätte verhindert werden können. Die Halde war über natürlichen Quellen aufgeschüttet worden, auf ihre Instabilität war zuvor hingewiesen worden, und die Warnungen waren folgenlos geblieben. Die staatliche Kohlebehörde trug die Verantwortung. Spenden aus aller Welt flossen in einen Hilfsfonds, und es brauchte eine öffentliche Kampagne und viele Jahre, bis die verbliebenen Halden über dem Dorf endlich abgetragen wurden.

Aberfan veränderte das britische Recht zur Lagerung und Ueberwachung von Bergbauabfällen und ebenso die Erwartung, wie Institutionen den betroffenen Gemeinden Rechenschaft schulden. Das Dorf hält die Erinnerung still. Wo einst die Schule stand, liegt heute ein Gedenkgarten, und auf dem Friedhof am Hang reihen sich weiße Bögen für eine Generation von Kindern, die ein Dorf an einem einzigen Morgen verlor.

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