Der Vietnamkrieg: Eine gespaltene Generation
1965 · event
Als amerikanische Hubschrauber 1965 durch dichtes Dschungellaubwerk hinabsanken, verfolgte eine Nation daheim in flackerndem Schwarzweiß den ersten im Fernsehen übertragenen Krieg der Geschichte. Die Operation Rolling Thunder hatte begonnen, eine unerbittliche Bombenkampagne, die den Konflikt neu gestalten sollte. Junge amerikanische Soldaten, viele kaum der Jugend entwachsen, fanden sich in einem fremden Gelände wieder, in dem der Feind keine Uniform trug und die Gefahr hinter jedem Reisfeld und jedem Dorf lauern konnte. Nordvietnam wiederum, gestützt auf sowjetische Waffen und chinesische Entschlossenheit, erwies sich als weitaus widerstandsfähiger, als es die Planer im Pentagon erwartet hatten. Der Krieg wurde zu weit mehr als einem militärischen Ringen, er entwickelte sich zu einer tiefgreifenden ideologischen Konfrontation, in der die Ambitionen der Supermächte unter tropischer Sonne aufeinanderprallten.
In den Vereinigten Staaten selbst zerbrach die Nation entlang der Generationengrenzen. Eltern, die sich an die klaren moralischen Grenzen des Zweiten Weltkriegs erinnerten, taten sich schwer, die Fragen ihrer Kinder zu einer Intervention in einem fernen Bürgerkrieg zu verstehen. An den Universitäten kam es zu Teach-ins und Protestmärschen, während Rekrutierungsbüros des Militärs belagert wurden. Der Konflikt verschlang Ressourcen, Aufmerksamkeit und zunehmend auch das Gewissen der Nation. Auf Reisfeldern und Kautschukplantagen, in den Straßen Saigons und den Schutzräumen Hanois trugen vietnamesische Familien die Last dieses fernen Machtkampfes, der sich so tief in den Boden und die Zukunft ihres Landes eingegraben hatte.