Der Untergang der Sowjetunion: Ein Reich endet

1991 · event

Der Untergang der Sowjetunion: Ein Reich endet

Das letzte Kapitel der Sowjetunion entfaltete sich im Winter 1991 in einer seltsamen Stille, die ihrem historischen Ausmaß kaum gerecht wurde. Bis Dezember zerfiel die einst mächtige Föderation, die sich über elf Zeitzonen erstreckt hatte, an ihren Nähten. Der Kongress der Republiken stimmte am 26. Dezember 1991 für die Auflösung der Sowjetunion und besiegelte damit offiziell das Ende eines Staates, der fast sieben Jahrzehnte Bestand gehabt hatte. Was wenige Jahre zuvor noch undenkbar erschienen war, kam nun mit fast unaufhaltsamer Wucht. Michail Gorbatschow, der reformorientierte Anführer, der versucht hatte, den Verfall des Systems durch Glasnost und Perestroika aufzuhalten, musste mitansehen, wie seine Bemühungen, den sowjetischen politischen und wirtschaftlichen Apparat zu retten und zu modernisieren, unwiederbringlich scheiterten. Der Mann, der den Staat von innen heraus heilen wollte, sah sich plötzlich mit dessen letzten Momenten konfrontiert.

Der Weg zur Auflösung war gesäumt von Fehlschlägen und gebrochenen Versprechen. Gorbatschows kühne Initiativen, die einem erstarrten System neues Leben einhauchen sollten, hatten stattdessen dessen Zusammenbruch beschleunigt. Als er die Kontrolle über Meinungsäußerung und Information lockerte, wurden die eigentlichen Fundamente der sowjetischen Autorität sichtbar und verwundbar. Die wirtschaftliche Stagnation hielt trotz der Reformversuche an, während die nationalistischen Bewegungen in den Republiken unaufhaltsam an Kraft gewannen. Eine nach der anderen erklärten die Teilstaaten ihre Unabhängigkeit, und mit jedem Austritt schwächte sich Moskaus Griff weiter ab.

Zum Jahresende hatte die Sowjetunion aufgehört, als souveräner Staat und Völkerrechtssubjekt zu existieren. An ihre Stelle traten fünfzehn unabhängige Staaten, jeder auf seinem eigenen ungewissen Weg. Gorbatschow trat von seinem Amt zurück, die rote Flagge wurde vom Kreml eingeholt. Ein Reich, das einst das Weltgeschehen geprägt hatte, war plötzlich und unwiderruflich verschwunden.

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