Die Entdeckung von Lucy: Unsere uralte Vorfahrin
1974 · event
Im November 1974 barg die glühend heiße Landschaft des Afar-Dreiecks Geheimnisse, die millionenfach Jahre lang verborgen geblieben waren. Der Paläoanthropologe Donald Johanson, der an der Fundstätte Hadar im äthiopischen Awash-Tal arbeitete, führte eine routinemäßige Untersuchung des felsigen Geländes durch, als sein scharfer Blick auf etwas Außergewöhnliches fiel: das Glitzern von Knochenfragmenten, die aus dem uralten Sediment hervortraten. Dies waren keine bloß verstreuten Überreste, sondern Fragmente, die unser Verständnis der menschlichen Abstammung grundlegend verändern sollten. Unter den Hunderten fossilisierten Bruchstücken legten Johanson und sein Team behutsam frei, was zu einer der bedeutendsten Entdeckungen der Paläoanthropologie werden sollte, ein Skelett, das einer weiblichen Hominine gehörte, die vor etwa 3,2 Millionen Jahren auf der Erde gelebt hatte.
Das geborgene Skelett, katalogisiert als AL 288-1 und später von seinen Entdeckern Lucy genannt, umfasste erstaunliche vierzig Prozent eines vollständigen Skeletts, ein ungewöhnlich reicher Fund in einem Fachgebiet, in dem Wissenschaftler normalerweise schon das Auffinden einzelner Zähne oder Kieferfragmente feiern. Das Fundstück offenbarte ein Wesen, das aufrecht auf zwei Beinen ging und dennoch einen affenähnlichen Oberkörper besaß, ein entscheidendes evolutionäres Zwischenstadium. Von Wissenschaftlern Australopithecus afarensis genannt, gehörte Lucy zu einer Art, die der Entstehung der Gattung Homo vorausging, was sie zu einem unschätzbaren Fenster in unsere tiefste Abstammung macht.
Die ortsansässigen Afar hatten einen eigenen Namen für dieses uralte Fossil, Dinkʼinesh, was „sie ist wunderbar“ bedeutet, eine treffende Würdigung einer Entdeckung, die die Welt in ihren Bann ziehen und die außergewöhnliche Reise der Menschheit durch die Zeit erhellen sollte.