Die Berliner Luftbrücke: Eine Stadt wird vom Himmel aus versorgt
1948 · event
Als sowjetische Truppen Berlin im Juni 1948 abriegelten und sämtliche Landverbindungen zu den Westsektoren kappten, sahen sich die zwei Millionen Einwohner der Stadt dem Hunger gegenüber. Stalin hatte darauf gesetzt, dass die Westalliierten ihre Zonen aufgeben würden, statt eine langwierige Konfrontation zu ertragen. Stattdessen wagten die amerikanischen und britischen Befehlshaber ein kühnes Unterfangen eigener Art und verwandelten den Himmel in eine Lebensader. Große Transportflugzeuge, vor allem amerikanische C-47 Dakotas und die neueren C-54 Skymasters, begannen einen endlosen Pendelverkehr zwischen den Westzonen Deutschlands und der blockierten Stadt. Mechaniker warteten rund um die Uhr die Maschinen, während Piloten mit atemberaubender Präzision durch Nebel und die engen Luftkorridore Berlins navigierten, oft im Abstand von nur wenigen Minuten.
Die Operation vollzog sich mit außergewöhnlicher Koordination und menschlicher Entschlossenheit. Auf ihrem Höhepunkt landete alle neunzig Sekunden ein Flugzeug auf den Flugfeldern Tempelhof und Gatow, beladen mit Kohle, Mehl, Milchpulver und kostbarem Treibstoff. Deutsche Arbeiter schufteten Seite an Seite mit den Besatzungssoldaten und entluden die Fracht unter Dunkelheit und gefährlichen Bedingungen. Kinder beobachteten voller Staunen, wie die Transportflugzeuge vom Himmel herabkamen, und nannten sie bald die Rosinenbomber, als Piloten Schokolade und Kaugummi an kleinen Fallschirmen abwarfen.
321 Tage lang trafen fast 2,7 Millionen Tonnen an Versorgungsgütern auf dem Luftweg ein. Die Blockade brach im Mai 1949 zusammen, als Stalin, die Niederlage erkennend, die Sperren aufhob. Die Luftbrücke bewies, dass westliche Entschlossenheit der sowjetischen Aggression gewachsen war, und verwandelte eine drohende Katastrophe in einen Triumph der Logistik, des Mutes und unerwarteten Mitgefühls, der ein vom Krieg gezeichnetes Volk wiederbelebte und die Herzen der Deutschen für demokratische Ideale gewann.