Die Kristallnacht: Die Nacht des zerbrochenen Glases
1938 · event
In der Nacht des 9. November 1938 fegte eine Welle der Gewalt durch das nationalsozialistische Deutschland und verwüstete jüdische Gemeinden von Berlin bis in die kleinsten Provinzstädte. Das Pogrom begann nach der Ermordung Ernst vom Raths, eines deutschen Diplomaten in Paris, durch Herschel Grynszpan, einen siebzehnjährigen polnisch-jüdischen Flüchtling. Die NS-Führung nutzte dieses Ereignis als Vorwand für organisierte Brutalität. Die Sturmabteilung und die Schutzstaffel, Hitlers paramilitärische Verbände, koordinierten einen systematischen Übergriff, der als Kristallnacht traurige Berühmtheit erlangen sollte, benannt nach den glitzernden Scherben zerschlagener Schaufenster, die am folgenden Morgen die Straßen bedeckten.
Die Gewalt entfaltete sich mit erschreckender Effizienz im ganzen Land. Randalierende Mobs griffen Synagogen an und setzten viele davon in Brand, während die Polizei tatenlos zusah. Jüdische Geschäfte wurden geplündert und zerstört, ihre Fensterscheiben eingeschlagen, Waren geraubt oder verbrannt. Wohnungen wurden gestürmt, Familien terrorisiert. Die Hitlerjugend beteiligte sich eifrig neben SA und SS Männern, während gewöhnliche deutsche Zivilisten sich der Zerstörung anschlossen, manche aktiv, andere als passive Zuschauer. Bei Tagesanbruch war fast jedes jüdische Gotteshaus beschädigt oder zerstört, und Hunderte jüdischer Bürger waren tot oder schwer verletzt.
Die Folgen offenbarten die schreckliche Entwicklung der nationalsozialistischen Verfolgung. Etwa dreißigtausend jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Die deutschen Behörden gaben den Opfern selbst die Schuld und verhängten eine Kollektivstrafe von einer Milliarde Mark über die jüdische Gemeinschaft. Versicherungsansprüche wurden abgelehnt. Die Welt nahm die staatlich sanktionierte Gewalt mit fassungslosem Schweigen wahr, doch nur wenige erkannten, dass die Kristallnacht eine Schwelle markierte, das Vorspiel zu jenem systematischen Völkermord, der folgen sollte.