Die Gründung des Islam: Die Hidschra

622 · event

Die Gründung des Islam: Die Hidschra

Im Jahr, das wir heute als 622 unserer Zeitrechnung kennen, an einem Sommertag, an dem die Hitze über der arabischen Wüste flimmerte, begaben sich der Prophet Muhammad und eine kleine Schar seiner Anhänger auf eine Reise, die den Lauf der Menschheitsgeschichte verändern sollte. Sie verließen Mekka, die Stadt seiner Geburt, wo jahrelange Predigten des Monotheismus auf erbitterten Widerstand jener Kaufmannsfamilien gestoßen waren, die vom Pilgerhandel zum heidnischen Heiligtum der Stadt profitierten. Aus Furcht vor Verfolgung und angesichts der Bedrohung seiner Bewegung nahm Muhammad die Einladung der fernen Oasensiedlung Medina an, die damals als Yathrib bekannt war. Was als Flucht begann, wurde zur Verwandlung. Diese Wanderung, die Hidschra, war nicht bloß eine Flucht, sondern eine Wiedergeburt, der Augenblick, in dem eine verfolgte Glaubensgemeinschaft zu einer sich selbst regierenden Gesellschaft wurde.

Die eigentliche Reise, unternommen im rauen Klima der Arabischen Halbinsel, stellte die Entschlossenheit derer, die sie unternahmen, auf eine harte Probe. Muhammad reiste mit einer kleinen Schar treuer Gläubiger und ließ Besitz, Sicherheit und die Geborgenheit vertrauter Wurzeln zurück. Doch seine Ankunft in Medina markierte einen Wendepunkt. Die zerstrittenen Stämme der Stadt und ihre jüdischen Gemeinden, geplagt von andauernden Konflikten, begrüßten die Aussicht auf einen unparteiischen Schlichter. Muhammads Führung erstreckte sich bald über geistliche Belange hinaus auf die praktische Verwaltung einer vielfältigen Bevölkerung und begründete Grundsätze des Gemeinwohls und des gegenseitigen Schutzes.

Die Bedeutung der Hidschra wirkte über Jahrhunderte hinweg nach. Muslime sollten dieses Jahr als den Beginn ihres Mondkalenders begehen und es damit zum Ausgangspunkt der islamischen Zeitrechnung selbst machen. Was als die Reise eines einzelnen Mannes begann, wurde zur Geburtsstätte eines Reiches, eines Glaubens und einer ganzen Zivilisation. Die Wanderung von Mekka nach Medina zeigte, dass Glaube Institutionen errichten kann, dass Exil zur Gründung führen kann und dass Verfolgung paradoxerweise die Bedingungen für dauerhaften Wandel schaffen kann.

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