Der Erste Kreuzzug: Jerusalem

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Der Erste Kreuzzug: Jerusalem

Nach drei Jahren eines mühevollen Marsches durch feindliches Gebiet und über fremde Meere erreichten die Kreuzfahrerheere an einem glühend heißen Junitag die Mauern Jerusalems. Die Stadt, heilig für Christen, Muslime und Juden gleichermaßen, hatte mehr als vier Jahrhunderte unter islamischer Herrschaft gestanden. Doch die lateinische Kirche hatte Zehntausende Krieger mobilisiert, mit dem Versprechen von Seelenheil und Land, aufgestachelt durch Berichte, wonach seldschukische Herrscher die Pilgerreisen für christliche Reisende gefährlich gemacht hätten. Nun, unter der judäischen Sonne, ächzten Belagerungstürme, während sie sich gegen uraltes Gemäuer erhoben, und die Stimmen der Priester mischten sich mit dem Donnern der Kriegsmaschinen. Für die versammelten Ritter und Soldaten, viele barfuß, viele dem Verdursten nahe, war dieser Augenblick die Erfüllung unmenschlicher Strapazen und unerschütterlichen Glaubens.

Die Stadt fiel am fünfzehnten Juli. Während sich die Verteidiger auf den Tempelberg zurückzogen, drangen die Kreuzfahrer mit Feuer und Schwert durch die durchbrochenen Tore. Was folgte, war ein Gemetzel von einem Ausmaß, das über Jahrhunderte hinweg nachhallen sollte: Tausende wurden in den Straßen und Heiligtümern erschlagen, ihr Blut tränkte den Boden, den Pilger als heilig zurückerobern wollten. Die Sieger weinten vor der Grabeskirche und umarmten einander in religiöser Verzückung, ihr langes Leiden schien durch den Sieg gerechtfertigt.

Die Einnahme Jerusalems schien das gesamte Unterfangen zu rechtfertigen, doch sie säte zugleich den Keim für Jahrhunderte des Konflikts. In einem Land, in dem Muslime seit Generationen lebten, wurde ein christliches Königreich errichtet, dessen heilige Stätten nun fremden Herrschern gehörten. Das Ereignis sollte in den verschiedenen Glaubensgemeinschaften unterschiedlich in Erinnerung bleiben: als Triumph, als Tragödie, als gewaltsame Geburt einer Wunde, die niemals ganz heilen sollte.

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