Der Bau des Empire State Building: 1931
1931 · event
In den Tiefen wirtschaftlicher Verzweiflung, als sich Brotschlangen durch amerikanische Städte zogen und Hoffnung ebenso knapp schien wie Arbeit, sahen die New Yorker etwas Außergewöhnliches den Himmel über Manhattan durchbohren. Das Empire State Building erhob sich in nur 410 Tagen, eine Meisterleistung an Geschwindigkeit und menschlicher Entschlossenheit, die die Welt in Erstaunen versetzte. Vom Moment an, als im März 1930 der erste Stahlträger emporgehoben wurde, arbeiteten Arbeiter in schwindelerregenden Höhen und fügten das mit Kalkstein verkleidete Bauwerk Stück für Stück zusammen, bis es sich über Midtown in den Himmel erhob. Die Art-déco-Eleganz des Gebäudes, entworfen von den Architekten Shreve, Lamb & Harmon, verkörperte den unerschütterlichen Glauben, dass der Wohlstand zurückkehren würde, dass große Ambitionen noch etwas zählten, selbst als Millionen Menschen darunter zu kämpfen hatten.
Als das Gebäude im Frühjahr 1931 seine volle Höhe von 1.454 Fuß erreichte, überragte es alles, was die Menschheit je errichtet hatte. Die Antennenkrone fing das Licht zu jeder Stunde anders ein, und von seinen Stockwerken aus konnte man klar bis zum Atlantik blicken. Dies war nicht bloß Architektur, es war eine in Stahl und Stein geschriebene Aussage gegen die Dunkelheit der Großen Depression. Der Name des Gebäudes, „Empire State“, ehrte den alten Beinamen New Yorks und deutete an, dass der Staat und mit ihm die Nation selbst Bestand haben würde.
Am 1. Mai 1931 ließ Präsident Herbert Hoover die Flutlichter des Gebäudes von Washington aus per Telegraf entzünden, und das Bauwerk erstrahlte vor den Augen der Welt. Die Arbeiter, die im Winterwind, in der Sommerhitze und unter ständiger Gefahr geschuftet hatten, stiegen von ihren Gerüsten herab im Bewusstsein, etwas Ewiges geschaffen zu haben. Das Empire State Building sollte weit mehr werden als ein Bürogebäude, es wurde zu Amerikas trotziger Antwort auf die Verzweiflung, einem strahlenden Denkmal für den menschlichen Geist, der sich weigerte aufzugeben, selbst wenn das Morgen ungewiss schien.