Der Bau der Berliner Mauer: 1961
1961 · event
Am Morgen des 13. August 1961 erwachte die Stadt Berlin und fand sich grundlegend verwandelt vor. In der Nacht hatte die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik damit begonnen, Stacheldraht über Straßen und Stadtviertel zu spannen, und errichtete damit die ersten groben Absperrungen dessen, was später zu einem imposanten Betonmonument der Teilung werden sollte. Familien wurden jäh voneinander getrennt, Nachbarn wurden zu Fremden jenseits einer unüberwindbaren Grenze. Die Aktion verlief rasch und methodisch und markierte den Beginn des Baus dessen, was später als Berliner Mauer bezeichnet werden sollte, ein Bauwerk, das das Herz Europas fast drei Jahrzehnte lang verwunden und West-Berlin wie eine steinerne Schlange umschließen sollte.
Die Sperranlage, die in den folgenden Wochen entstand, war gewaltig und abweisend. Hoch aufragende Wachtürme durchbrachen in regelmäßigen Abständen die Silhouette der Stadt, ihre Scheinwerfer tasteten das Niemandsland darunter ab. Hinter den zunehmend dicker werdenden Mauern erstreckten sich Felder mit Panzersperren und Nagelbeeten, eine Landschaft, die eigens für das Leiden entworfen war. Bewaffnete Wachen patrouillierten unablässig, ihre Anwesenheit eine ständige Mahnung, dass Flucht den höchsten Preis fordern konnte. Die Mauer wurde zur physischen Verkörperung eines ideologischen Abgrunds und verwandelte eine lebendige Stadt in ein zerrissenes Ganzes.
Der Bau war ein verzweifelter Akt der Kontrolle durch den sozialistischen Staat, der den Strom der Bürger aufhalten sollte, die in Richtung der Freiheiten des Westens flüchteten. Doch er bewirkte etwas Tieferes: Er machte der Welt die psychologische Last des Kalten Krieges greifbar. Ganze Generationen wuchsen heran, ohne je die vollständige Stadt gekannt zu haben, die ihre Eltern gekannt hatten. Die Mauer stand als anklagender Finger, als steinernes Zeugnis der menschlichen Kosten der Teilung, bis zu jenem fernen November, als die Geschichte endlich aufatmete.