Das Attentat auf den Papst: 1981

1981 · event

Das Attentat auf den Papst: 1981

Die Nachmittagssonne vergoldete den Petersplatz am 13. Mai 1981, als Papst Johannes Paul II. seine gewohnte Mittwochsrunde unter den Gläubigen hielt. Er saß in seinem offenen Jeep und winkte den Tausenden Pilgern zu, die sich auf dem weiten Platz versammelt hatten, der Pontifex wirkte gelassen, ein Mann von sechzig Jahren, der die Welt seit seiner Wahl vor weniger als neun Monaten mit seiner Tatkraft und Wärme in ihren Bann gezogen hatte. In diesem Augenblick alltäglicher Gnade zerbrach die Geschichte. Ein junger Türke drängte sich durch die Menge, hob eine 9mm Pistole und feuerte zweimal. Die Kugeln trafen den Papst in den Unterleib, und er sank in die Arme seiner Begleiter, während sich unter ihm eine Blutlache bildete. Der Platz versank in Chaos und Entsetzen, während die Sicherheitskräfte den Schützen festnahmen, Mehmet Ali Ağca, dreiundzwanzig Jahre alt, während Sanitäter um das Leben des Pontifex kämpften.

Johannes Paul II. überlebte das Attentat, wenngleich die Verletzungen schwer waren und die Genesung sich hinzog. Die italienischen Gerichte verurteilten Ağca zu lebenslanger Haft, doch die Reaktion des Papstes verblüffte die Welt. Statt Rache zu fordern oder Groll zu hegen, wählte er den Weg der Vergebung, besuchte seinen einstigen Attentäter im Gefängnis und sprach unter vier Augen mit ihm. Dieser Akt der Barmherzigkeit blieb ebenso unvergesslich wie die Gewalt selbst, ein lebendiges Zeugnis seines Glaubens und seiner Überzeugung, dass Erlösung selbst unter den dunkelsten Umständen möglich sei.

Beinahe zwei Jahrzehnte später, im Juni 2000, wurde Ağca auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes begnadigt und in die Türkei abgeschoben. Das Attentat hatte darauf abgezielt, ein Licht auszulöschen, stattdessen erhellte es den Charakter des Pontifex und seine Vision eines Christentums, das im Mitgefühl wurzelt. Der Platz, auf dem Blut vergossen worden war, wurde Zeuge von etwas Unerwartetem: nicht dem letzten Wort der Tragödie, sondern der tiefen Antwort der Gnade.

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