Kopernikus bewegt die Erde: De revolutionibus
1543 · event
Im Frühjahr 1543 traf ein revolutionäres Manuskript in der Druckerei zu Nürnberg ein, bestimmt für die Presse, die das Verständnis der Menschheit von ihrem Platz im Kosmos verändern sollte. Nikolaus Kopernikus, ein polnischer Astronom und Domherr, hatte Jahrzehnte damit verbracht, seine heliozentrische Theorie zu entwickeln, die radikale These, dass nicht die Erde, sondern die Sonne den Mittelpunkt des Himmels einnehme. Sein Werk *De revolutionibus orbium coelestium*, zu Deutsch *Über die Umläufe der Himmelssphären*, war die Krönung eines Lebens sorgfältiger Beobachtung und mathematischer Überlegung und stellte das geozentrische System des Ptolemäus infrage, das mehr als dreizehn Jahrhunderte unangefochten geherrscht hatte.
Das Buch selbst war ein Wunderwerk der Gelehrsamkeit der Renaissance: dicht mathematisch, methodisch durchdacht und mit Diagrammen versehen, die ein sonnenzentriertes Planetensystem abbildeten. Das Modell des Kopernikus bot elegante Lösungen für lange bestehende astronomische Probleme, insbesondere für die scheinbare rückläufige Bewegung der Planeten, mit der das ptolemäische System zu kämpfen hatte. Doch mit der Veröffentlichung dieses Werkes wusste Kopernikus, dass er sich auf gefährliches Terrain begab, denn das heliozentrische Weltbild widersprach nicht nur der antiken Autorität, sondern auch der wörtlichen Auslegung der Heiligen Schrift selbst.
Gegen Ende des Jahres begannen Abschriften sich in ganz Europa zu verbreiten und erreichten Gelehrte an entfernten Universitäten sowie neugierige Geister, die die tiefgreifende Bedeutung des Werkes erkannten. Obwohl Kopernikus selbst im Mai jenes Jahres starb, lebten seine gedruckten Worte fort und entfachten eine langsame, aber unaufhaltsame Revolution im menschlichen Denken. Die Erde, so schien es, war nicht der unbewegliche Mittelpunkt aller Dinge, sondern nur ein Wandelstern unter vielen in einem Kosmos von unvorstellbarem Ausmaß und unvorstellbarer Komplexität.