Die Niederlage der Spanischen Armada: 1588
1588 · event
Im Frühjahr 1588 stellte König Philipp II. von Spanien die mächtigste Flotte zusammen, die die Welt bis dahin gesehen hatte. Hundertdreißig Schiffe, beladen mit Soldaten, Vorräten und dem Gewicht katholischer Ambitionen, verließen Ende Mai Lissabon unter dem Kommando von Alonso de Guzmán, Herzog von Medina Sidonia. Der von der spanischen Krone eingesetzte Adlige trug Befehle von tiefer Tragweite: nordwärts durch den Ärmelkanal zu segeln, sich mit Alexander Farneses in Flandern wartender Invasionsarmee zu vereinen und die Streitkräfte zu liefern, die Elisabeth I. stürzen und die katholische Herrschaft in England wiederherstellen sollten. Für Philipp stellte dieses gewaltige Unternehmen den Höhepunkt jahrzehntelanger religiöser und dynastischer Konflikte zwischen den großen Seemächten der Christenheit dar.
Als die Armada den Kanal hinaufkroch, bedrängten englische Schiffe, kleiner, schneller und wendiger, die spanische Formation unablässig. Die englischen Befehlshaber nutzten ihren Vorteil mit berechneter Kühnheit, ihre Schiffe drehten und griffen dort an, wo die schwereren spanischen Galeonen nicht folgen konnten. Vor den Küsten von Devon und Dorset entbrannten erbitterte Gefechte, doch der entscheidende Moment kam, als sich das Glück selbst gegen Spanien zu wenden schien. Ein plötzlicher Sturm, den die Engländer später als den "protestantischen Wind" bezeichnen sollten, zerstreute die Formationen der Armada und verhinderte das entscheidende Zusammentreffen mit Parmas Streitkräften in Flandern.
Die geschlagene und zerstreute spanische Flotte hatte keine andere Wahl, als nordwärts um Schottland und Irland zu fliehen und auf dem langen Atlantikweg die Heimkehr zu suchen. Wochen stürmischen Wetters und tückischer See forderten Schiff um Schiff, ließen Tausende ertrinken und zerschlugen Philipps großen Plan. Als die Überreste der Armada im Herbst schließlich in spanische Häfen zurückkehrten, waren weniger als die Hälfte der Schiffe übrig geblieben. Die Niederlage hallte durch ganz Europa, trübte Spaniens Aura der Unbesiegbarkeit und sicherte Elisabeths Thron. Sie markierte einen Wendepunkt im Zeitalter der europäischen Macht, in dem die Vorherrschaft zur See zum Schiedsrichter über Weltreiche geworden war.