Die Krönung Karls des Großen: Weihnachtstag, 800

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Die Krönung Karls des Großen: Weihnachtstag, 800

In der Basilika des Heiligen Petrus zu Rom kniete Karl der Große am Weihnachtstag des Jahres 800 vor dem Altar, als sich Papst Leo III. näherte. Der fränkische König, bereits Herr über weite Gebiete, die sich von den Pyrenäen bis über den Rhein hinaus erstreckten, war in die Ewige Stadt gekommen, um den Papst wieder auf seinen Thron einzusetzen, nachdem Feinde ihn zuvor kurzzeitig aus der Macht vertrieben hatten. Während die Versammelten im Kerzenlicht der Kirche zusahen, setzte Leo Karl eine goldene Krone aufs Haupt, und die Stimmen der Anwesenden erhoben sich zum Jubel. In diesem heiligen Augenblick wurde eine Krone, die dreihundert Jahre lang geschwiegen hatte, im Westen wieder erhoben: Das kaiserliche Diadem ging aus römischen Händen in die eines germanischen Krieger-Königs über. Diese Handlung verwandelte nicht nur einen mächtigen Herrscher, sie entfachte etwas neu, von dem Europa geglaubt hatte, es für immer verloren zu haben.

Karl der Große hatte sich lange auf diese Erhebung vorbereitet, durch unermüdliche Expansion und kluge Staatskunst. Seit er 768 beim Tod seines Vaters den fränkischen Thron bestiegen hatte, hatte er seine Herrschaft durch Feldzüge und Diplomatie ausgedehnt, das langobardische Italien erobert, die sächsischen Lande mit eiserner Disziplin befriedet und die Grenzen der Christenheit immer weiter gezogen. Er herrschte nicht als roher Barbar, sondern als Förderer der Gelehrsamkeit, als christlicher Monarch, der Gelehrte an seinen Hof zog und die Wiederbelebung der klassischen Künste anstrebte. Doch Krönung und Eroberung allein machten noch keinen Kaiser; Legitimität verlangte nach Rom, nach der Kirche, nach dem Gewicht des geschichtlichen Mantels auf frischen Schultern.

Die Krönung fand in der mittelalterlichen Welt Widerhall als etwas zugleich Kühnes und Natürliches, als Wiederherstellung der Ordnung in einem zerrissenen Kontinent. Auch wenn die genauen Umstände von Leos Krönungsakt unter Gelehrten bis heute umstritten sind, ob Karl der Große überrascht war oder die Ehrung erwartet hatte, blieb das Ergebnis unbestreitbar. Er wurde zum ersten Kaiser dessen, was die Nachwelt das Karolingische Reich nennen sollte, ein Herrscher, dessen Herrschaftsbereich den größten Teil West- und Mitteleuropas umfasste. Die politische und kulturelle Erneuerung, die von seiner Regierungszeit ausging, sollte das Mittelalter für Jahrhunderte prägen und Muster der Autorität, der christlichen Herrschaft und der feudalen Gesellschaft begründen, die durch die langen mittelalterlichen Jahrhunderte nachklingen sollten.

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