Die Krönung Elisabeths II.: 1953
1953 · event
Am Morgen des 2. Juni 1953 erwachte London zu einem außergewöhnlichen Schauspiel. Westminster Abbey, jenes altehrwürdige Theater königlicher Zeremonien, stand bereit, Elizabeth Alexandra Mary zu empfangen, eine fünfundzwanzigjährige junge Frau, die seit dem Tod ihres Vaters sechzehn Monate zuvor die Last der Monarchie trug. Die Straßen vom Buckingham Palace bis zur Abtei waren von Millionen Menschen gesäumt, manche hatten die Nacht im Regen im Freien verbracht, andere versammelten sich um geliehene Radiogeräte und Fernsehapparate. Der Tag selbst brach klar und grau an, doch nichts konnte das elektrisierende Gefühl schmälern, dass hier Geschichte neu gekrönt wurde, dass eine neue Regentschaft vor Gott und der zusehenden Welt feierlich geheiligt wurde.
Unter den hoch aufragenden gotischen Gewölben der Abtei entfalteten sich die uralten Rituale in wohlbedachter Zeremonie. Adlige in scharlachroten Roben, Bischöfe in Weiß und Gold sowie Vertreter aus allen Winkeln des Commonwealth versammelten sich, um der Salbung und Krönung beizuwohnen. Elizabeth kniete in Demut nieder, ehe sie sich als Souveränin erhob, während ihr die St.-Eduards-Krone aufs Haupt gesetzt wurde, ein Moment der Verwandlung, der zum ersten Mal in der Geschichte der Krönungen von Kameras festgehalten wurde. Die Abtei erklang mit der Musik Händels und Treuebekundungen, das Gewicht der Jahrhunderte senkte sich auf ihre jungen Schultern.
Draußen feierte die Nation mit Straßenfesten und Freudenfeuern, mit Prunk und aufrichtiger Zuneigung. Die Krönung war nicht bloß eine zeremonielle Amtsübergabe, sie war eine Bekräftigung von Kontinuität und Hoffnung in den Jahren nach den Entbehrungen des Krieges. Elizabeth war aus dem Schatten von Windsor Castle in das volle Licht der Monarchie getreten, und an jenem Junitag erneuerten Großbritannien und das gesamte Commonwealth ihren uralten Bund mit ihrer Souveränin, gebunden durch Eide, so alt wie die Monarchie selbst.