Die Boston Tea Party: 1773
1773 · event
Am Abend des 16. Dezember 1773 lag kalte Nachtluft über dem Hafen von Boston, als sich Hunderte von Kolonisten, viele als Mohawk-Indianer verkleidet, mit geschwärzten Gesichtern und Decken über den Schultern zu den Docks aufmachten. Die Sons of Liberty hatten diesen Akt des Widerstands mit klarer Absicht inszeniert: Sie wollten gegen den Tea Act protestieren, der der British East India Company ein Monopol auf den Teeverkauf in den Kolonien einräumte und das Recht des Parlaments bekräftigte, Amerika ohne dessen Vertretung zu besteuern. Drei Schiffe, die Dartmouth, die Eleanor und die Beaver, lagen vor Anker, beladen mit 342 Kisten britischen Tees. Was folgte, war eine koordinierte, fast rituelle Zerstörung: Die Protestierenden bestiegen die Schiffe und hievten in methodischer Nachtarbeit die schweren Kisten an Deck, schlugen sie mit Tomahawks und Beilen auf und sahen zu, wie die kostbaren Blätter in die dunklen Gewässer des Hafens fielen.
Die symbolische Kraft jener Nacht übertraf den materiellen Verlust bei weitem. Die Kolonisten hatten ihr Ziel mit Bedacht gewählt, denn Tee stand nicht nur für eine Handelsware, sondern für das Prinzip parlamentarischer Tyrannei selbst. Bei der Zerstörung kam niemand zu Schaden, und bemerkenswerterweise achteten die Protestierenden darauf, nichts anderes zu beschädigen, ja sie ersetzten am folgenden Tag sogar ein zerbrochenes Vorhängeschloss. Doch Großbritanniens Antwort fiel rasch und unnachgiebig aus. Das Parlament verabschiedete die Coercive Acts, in Amerika als Intolerable Acts bekannt, die den Hafen von Boston schlossen und die Charta von Massachusetts aufhoben, Maßnahmen, die die Kolonie für ihre Auflehnung bestrafen sollten.
Innerhalb von achtzehn Monaten entzündeten die angestauten Missstände und die britischen Vergeltungsmaßnahmen einen offenen Konflikt. Am 19. April 1775 kam es bei Lexington und Concord, nur fünfzig Kilometer landeinwärts vom Hafen von Boston, zu Kämpfen zwischen bewaffneten Milizionären und britischen Soldaten. Die Schüsse jenes Frühlingsmorgens läuteten einen Krieg ein, der acht Jahre dauern und dreizehn zerstrittene Kolonien in eine geeinte Nation verwandeln sollte. Der Tee, der in jener Dezembernacht im Hafen von Boston versank, war zum Katalysator der Revolution geworden, sein symbolisches Gewicht weit größer als sein Handelswert.