Shakespeares Globe Theatre öffnet: London

1599 · event

Shakespeares Globe Theatre öffnet: London

Im Sommer des Jahres 1599 erhob sich das Fachwerktheater Globe aus dem sumpfigen Boden von Southwark, am Südufer der Themse in London, ein Denkmal für Ehrgeiz und theatralische Vision. Erbaut von der Lord Chamberlain's Men, jener Schauspieltruppe, der William Shakespeare angehörte, verkörperte es eine bis dahin beispiellose Bündelung von Mitteln und Talent. Die Balken des Theatre, eines älteren Schauspielhauses in Shoreditch, waren abgebaut und quer durch die Stadt transportiert worden, um dieses neue Gefäß für das Drama zu errichten. Mit seinen unverwechselbaren runden Galerien und dem offenen, dem Himmel zugewandten Innenhof versprach das Globe etwas Revolutionäres: eine dauerhafte Heimstatt für die bedeutendste Kunstform jener Zeit, in der Schauspieler und Dramatiker ein Vermächtnis errichten konnten, das über die vergänglichen Bühnengerüste früherer Jahrzehnte hinausreichte.

Die Eröffnungssaison brachte eine elektrisierende Aufbruchsstimmung in Londons Theaterwelt. Shakespeares Werke, die bereits an verschiedenen Orten aufgeführt worden waren, fanden nun ihre wahre Bühne. Die Stücke, die die englische Literatur prägen sollten, seine Komödien, Tragödien und Historiendramen, wurden von diesem besonderen Raum geformt, dessen Sichtachsen und Akustik untrennbar mit den Worten selbst verschmolzen. Doch das Globe gehörte niemals Shakespeare allein; es wurde zu einer Schmiede des Genies, die den aufstrebenden Talenten von Ben Jonson, Thomas Dekker und John Fletcher Raum gab, von denen jeder seine eigene Stimme in das Repertoire einbrachte.

Obwohl ein Feuer im Jahr 1613 das ursprüngliche Globe verzehrte und es an einem einzigen verhängnisvollen Nachmittag in Asche legte, überdauerte sein Geist. Bereits im folgenden Sommer erhob sich an derselben Stelle ein zweites Theater, das die Tradition fortführte, bis politische Kräfte 1642 Londons Schauspielhäuser schließen ließen. Über vier Jahrzehnte lang stand das Globe als Leuchtfeuer, als Beweis dafür, dass Theater nicht vergänglich sein muss, dass Schönheit und Erzählung in Holz und Reet Wohnung finden können und dass ein Schauspielhaus Unsterblichkeit erlangen kann.

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