Nelson Mandela Walks Free: 1990
1990 · event
Am Morgen des 11. Februar 1990 trat Nelson Mandela aus dem Victor-Verster-Gefängnis nahe Kapstadt in eine veränderte Welt hinaus. Mit einundsiebzig Jahren, nach siebenundzwanzig Jahren Gefangenschaft, schritt er mit ruhiger Würde der Freiheit entgegen, die Hand erhoben zu jenem vertrauten Gruß, der zum Symbol des Widerstands gegen die Apartheid geworden war. Der Mann, der ins Gefängnis gegangen war, als die Welt eine andere gewesen war, als das Fernsehen noch ein Luxus war, als der Kalte Krieg die Weltpolitik bestimmte, trat nun ins Sonnenlicht als lebende Legende. Tausende hatten sich versammelt, um diesen Augenblick zu erleben, und Millionen weitere verfolgten ihn rund um den Globus, wohl wissend, dass sie nicht bloß die Entlassung eines Gefangenen bezeugten, sondern eine seismische Verschiebung in der Geschichte der Menschheit. Seine Frau Winnie stand an seiner Seite, und in diesem Bild lag die Hoffnung einer Nation, erschöpft von Jahrzehnten brutaler rassischer Unterdrückung.
Mandelas Gefangenschaft war zum moralischen Prüfstein der Anti-Apartheid-Bewegung geworden. Verurteilt wegen Sabotage und Verschwörung, hatte er mehr als zwei Jahrzehnte auf Robben Island verbracht, wo er harte Zwangsarbeit im Kalksteinbruch und die erdrückende Isolation seiner Zelle erdulden musste. Doch diese Jahre hatten ihn nicht verbittert, sondern vielmehr seine Entschlossenheit zu Versöhnung und Gerechtigkeit vertieft. Seine Freilassung war das Ergebnis einer Befreiungsbewegung, die sich nicht zum Schweigen bringen ließ, eines internationalen Drucks, der unwiderstehlich geworden war, und einer südafrikanischen Regierung, die schließlich einsah, dass sich die Apartheid nicht länger aufrechterhalten ließ.
Es folgte der außergewöhnliche Bogen seiner Führungsjahre. Vier Jahre nach seiner Freilassung wurde Mandela in der ersten vollständig repräsentativen demokratischen Wahl des Landes zum Präsidenten Südafrikas gewählt und damit zum ersten schwarzen Staatsoberhaupt des Landes. Seine Präsidentschaft, die bis 1999 dauerte, widmete sich der Auflösung des institutionellen Rassismus, der in jeder Struktur der Gesellschaft verwurzelt war. Statt Vergeltung an seinen Unterdrückern zu suchen, setzte er sich für Wahrheit und Versöhnung ein und führte seine verwundete Nation auf den Weg der Heilung. Als er an jenem Februarmorgen in die Freiheit schritt, gewann Mandela nicht nur seine eigene Freiheit zurück, er öffnete eine Tür, durch die ein ganzes Volk der Würde entgegentreten konnte.