Zaha Hadid
1950 – 2016 · Iraq

Bekannt für: Architektin, die die gerade Linie bog, und erste Pritzker-Preisträgerin
“Die Linie, die sie zog, war niemals gerade, und die Welt folgte ihr.”
Biografie
Zaha Hadid wuchs im Bagdad der fünfziger Jahre auf, in einem Haus, in dem Politik und Kunst zum Alltag gehörten. Ihr Vater, Muhammad al-Hajj Husayn Hadid, war ein Industrieller aus Mossul, Mitbegründer der Nationaldemokratischen Partei und später irakischer Finanzminister; ihre Mutter, Wajiha al-Sabunji, war Künstlerin. Den ersten Anstoß zur Architektur führte Hadid auf Kindheitsreisen zu den alten sumerischen Städten im Süden des Irak zurück. Sie studierte Mathematik an der Amerikanischen Universität Beirut und ging 1972 an die Architectural Association School of Architecture in London, wo unter anderen Rem Koolhaas und Elia Zenghelis zu ihren Lehrern zählten. Ihre Abschlussarbeit von 1977, Malevich's Tektonik, entwarf ein vierzehngeschossiges Hotel auf der Hungerford Bridge und lag nicht als Zeichnung vor, sondern als Acrylbild.
Sie arbeitete in Rotterdam im Office for Metropolitan Architecture, dem Büro ihrer früheren Lehrer, und eröffnete 1980 in London ihr eigenes Büro, Zaha Hadid Architects. Mehr als ein Jahrzehnt lang beruhte ihr Ruf auf Bildern und Zeichnungen, nicht auf Bauten. Beeinflusst vom Suprematismus und der russischen Avantgarde, nutzte sie die Abstraktion, um Fragen wieder aufzunehmen, welche die Moderne unerledigt gelassen hatte; ihre radikalen Entwürfe füllten die Fachzeitschriften und blieben ungebaut. The Peak in Hongkong und ein Opernhaus für Cardiff gewann sie und verlor sie wieder, wobei die Entscheidung in Cardiff besonders hart traf, denn die Jury hatte ihren Entwurf als den besten bewertet. Die Feuerwehrstation, die sie zwischen 1991 und 1993 für Vitra in Weil am Rhein aus Sichtbeton und Glas errichtete, bewies, dass die Zeichnungen tragen. Die Kurve wurde danach zu ihrer Handschrift: das Museum MAXXI in Rom, das Opernhaus von Guangzhou und das London Aquatics Centre für die Olympischen Spiele 2012.
Die Anerkennung kam in dichter Folge. 2004 erhielt Hadid als erste Frau den Pritzker-Architekturpreis, 2010 und erneut 2011 den Stirling Prize, 2012 ernannte Elisabeth II. sie für ihre Verdienste um die Architektur zur Dame, und im Februar 2016 wurde sie als erste Frau allein mit der Royal Gold Medal des Royal Institute of British Architects ausgezeichnet. Sie heiratete nie und hatte keine Kinder, und das Unterrichten begleitete ihr gesamtes Berufsleben. Am 31. März 2016 starb sie mit fünfundsechzig Jahren in Miami an einem Herzinfarkt, den sie während der Behandlung einer Bronchitis erlitt. Mehrere ihrer Bauten wuchsen zu dieser Zeit noch, darunter der Flughafen Peking Daxing. Die Geometrie, für die sie eingetreten war, schräg, fließend, selten im rechten Winkel, war längst in den gewöhnlichen Wortschatz der Architektur übergegangen.