Toni Morrison

1931 – 2019 · United States

Toni Morrison

Bekannt für: Nobelpreisträgerin der Erinnerung und der Freiheit

“Wir sterben. Das mag der Sinn des Lebens sein. Doch wir schaffen Sprache. Das mag das Maß unseres Lebens sein.”

Biografie

Toni Morrison wurde am 18. Februar 1931 als Chloe Ardelia Wofford in Lorain im US-Bundesstaat Ohio geboren, als zweites von vier Kindern des Schweißers George Wofford, der bei U.S. Steel arbeitete, und seiner Frau Ramah Willis Wofford. Der Vater hatte Georgia verlassen, nachdem in seiner Straße ein Lynchmord geschehen war; die Familie der Mutter war aus Alabama nach Norden gezogen. Das Erbe des Hauses lag in der Sprache: in afroamerikanischen Märchen, Geistergeschichten und Liedern und in der Gewohnheit, der Grausamkeit mit Gelächter statt mit Verzweiflung zu begegnen. Sie las unablässig, schätzte Jane Austen und Tolstoi und nahm mit zwölf Jahren beim Übertritt zum katholischen Glauben den Taufnamen Anthony an, aus dem der Name Toni wurde. 1953 schloss sie die Howard University ab, 1955 folgte der Master an der Cornell University mit einer Arbeit über die Entfremdung bei Virginia Woolf und William Faulkner.

Morrison unterrichtete Englisch an der Texas Southern University und danach in Howard, heiratete 1958 den Architekten Harold Morrison und zog nach der Scheidung von 1964 zwei Söhne weitgehend allein groß. Sie wechselte in den Verlagsbetrieb und wurde in New York als erste Schwarze Frau leitende Lektorin für Belletristik bei Random House; diese Stellung nutzte sie, um die Literatur Schwarzer Autorinnen und Autoren vom Rand in die Mitte zu rücken. Sie verlegte und förderte Toni Cade Bambara, Gayl Jones, Angela Davis und den Dichter Henry Dumas, brachte die Autobiografie Muhammad Alis The Greatest heraus und stellte The Black Book zusammen, eine dokumentarische Anthologie Schwarzen Lebens in Amerika von der Sklaverei bis in die zwanziger Jahre. Ihr eigenes Werk begann 1970 mit Sehr blaue Augen, es folgten Sula, danach Solomons Lied, ausgezeichnet mit dem National Book Critics Circle Award, und Menschenkind, die Geschichte einer von der Sklaverei gezeichneten Mutter, für die sie 1988 den Pulitzer-Preis erhielt.

1993 erhielt Toni Morrison den Nobelpreis für Literatur. Weitere Ehrungen folgten stetig: 1996 die Jefferson Lecture und die Medaille der National Book Foundation, 2012 die Presidential Medal of Freedom aus der Hand von Barack Obama, 2016 der PEN/Saul Bellow Award. Sie schrieb, lektorierte und lehrte weiter und ließ nie gelten, dass Schwarzes Leben einem außenstehenden Publikum erklärt werden müsse. Am 5. August 2019 starb sie im Alter von achtundachtzig Jahren; im Jahr darauf wurde sie in die National Women's Hall of Fame aufgenommen. Ihre Romane gehören bis heute zu den meistgelesenen und meistgelehrten der amerikanischen Literatur, und Menschenkind erreichte 1998 durch die Verfilmung ein noch größeres Publikum.

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