Stefan Zweig
1881 – 1942 · Austria

Bekannt für: Chronicler of a Europe that vanished
“Bürger der Welt von Gestern, der ihr Andenken seinen Lesern anvertraut hat.”
Biografie
Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren, als Sohn des wohlhabenden jüdischen Textilfabrikanten Moritz Zweig und der aus einer jüdischen Bankiersfamilie stammenden Ida Brettauer. Er wuchs im selbstbewussten, musikbegeisterten Wien der späten Habsburgermonarchie auf, studierte dort Philosophie und promovierte 1904 mit einer Arbeit über Hippolyte Taine. Die Religion spielte in seiner Erziehung keine große Rolle, dennoch schrieb er zeitlebens auch über jüdische Stoffe; zu seinen frühen Ermutigungen gehörte, dass Theodor Herzl als Feuilletonredakteur der Neuen Freien Presse einige seiner ersten Essays annahm. Von Anfang an verstand er sich als Weltbürger, und der Gedanke einer gemeinsamen europäischen Kultur wurde zum festen Punkt seines Denkens.
In den zwanziger und dreißiger Jahren war Zweig einer der meistgelesenen und meistübersetzten Autoren der Welt, zu Hause in Salzburg und vertraut mit Arthur Schnitzler und Sigmund Freud. Seine Stärke war die Verdichtung: Novellen, die sich um eine einzige Leidenschaft drehen, darunter Amok, Brief einer Unbekannten, Angst, Verwirrung der Gefühle und Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau, später der Roman Ungeduld des Herzens und die Schachnovelle. Ebenso zogen ihn Lebensläufe und Wendepunkte an: Er schrieb Drei Meister über Balzac, Dickens und Dostojewski, die historischen Miniaturen der Sternstunden der Menschheit sowie die Biografien von Joseph Fouché, Marie Antoinette und Maria Stuart. Über die Vergangenheit schrieb er, um die Gegenwart zu erklären, und er schrieb für Leser, nicht für Gelehrte, was ihm ein Publikum in allen europäischen Sprachen einbrachte.
1934, nach Hitlers Aufstieg in Deutschland und der Errichtung des österreichischen Ständestaats, verließ Zweig seine Heimat und ging nach England, zunächst nach London, dann nach Bath, wo er 1939 seine Sekretärin Lotte Altmann heiratete. 1940 überquerte das Paar den Atlantik nach New York, im August 1941 ließ es sich in Petrópolis in den Bergen über Rio de Janeiro nieder. Dort entstand das Buch Brasilien, ein Land der Zukunft, dort entstand die Freundschaft mit der chilenischen Dichterin Gabriela Mistral, und dort vollendete er Die Welt von Gestern, jene Erinnerungsschrift, die bis heute das lebendigste Bild der versunkenen Habsburgerwelt gibt. Verzweifelt über Europa und dessen Zukunft nahmen sich Stefan Zweig und seine Frau mit einer Überdosis Barbiturate das Leben; am 23. Februar 1942 wurden sie in ihrem Haus gefunden. Seine Bücher wurden weiter gelesen und verfilmt, und das Haus in Petrópolis ist heute die Casa Stefan Zweig.