Sophie Scholl

1921 – 1943 · Germany

Sophie Scholl

Bekannt für: Studentin der Weißen Rose, die sich den Nazis widersetzte

“Die Sonne scheint noch.”

Biografie

Sophie Scholl kam 1921 in Forchtenberg am Kocher zur Welt, als viertes von sechs Kindern des liberalen Politikers Robert Scholl, der damals Bürgermeister des Ortes und ein offener Gegner des Nationalsozialismus war, und seiner Frau Magdalena. Die Familie zog später nach Ludwigsburg und dann nach Ulm. Evangelisch erzogen, blieb sie ihr Leben lang eine überzeugte Christin; sie las viel, zeichnete und malte und wandte sich früh der Philosophie und der Theologie zu. Mit zwölf Jahren trat sie wie die meisten ihrer Mitschülerinnen dem Bund Deutscher Mädel bei, der Mädchenorganisation der Hitlerjugend, doch ihre anfängliche Begeisterung wich allmählich dem Zweifel. Die Verhaftung ihrer Brüder und Freunde im Jahr 1937 wegen der Beteiligung an einer unabhängigen Jugendbewegung machte ihre Haltung endgültig.

Nach dem Abitur 1940 arbeitete sie als Kindergärtnerin am Fröbel-Institut in Ulm und leistete sechs Monate im Reichsarbeitsdienst, dessen fast militärische Ordnung ihr politisches Urteil schärfte. Im Mai 1942 schrieb sie sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München für Biologie und Philosophie ein. Ihr Bruder Hans, dort Medizinstudent, führte sie in seinen Freundeskreis ein, dem unter anderen Alexander Schmorell, Willi Graf und Christoph Probst angehörten und den Musik, Kunst und Literatur verbanden, ehe ihn die Politik verband. Im Gespräch mit Carl Muth und Theodor Haecker kehrte sie immer wieder zu einer einzigen Frage zurück: wie der Einzelne unter einer Diktatur handeln muss. Die Antwort dieses Kreises war die Weiße Rose, eine Folge anonymer Flugblätter, die mit ethischen und religiösen Gründen zum Widerstand gegen den nationalsozialistischen Staat aufriefen, heimlich vervielfältigt, an Adressen in ganz Deutschland verschickt und dort ausgelegt, wo Fremde sie finden konnten.

Am 18. Februar 1943 trugen Sophie und Hans Scholl einen Koffer voller Flugblätter in das Hauptgebäude der Universität und ließen die letzten Exemplare vom oberen Stockwerk in den Lichthof hinunterflattern. Sie wurden festgehalten, der Gestapo übergeben und verhört; vier Tage später standen sie vor Roland Freisler im Volksgerichtshof, der sie wegen Hochverrats verurteilte. Sophie Scholl wurde am 22. Februar 1943 zusammen mit ihrem Bruder und Christoph Probst mit dem Fallbeil hingerichtet. Sie war einundzwanzig Jahre alt. Alliierte Flugzeuge warfen später Abschriften des letzten Flugblatts der Weißen Rose über Deutschland ab, und in den Jahrzehnten danach wurden im ganzen Land Schulen, Plätze und Straßen nach ihr und nach Hans benannt: ein Widerstand aus Papier und Argument, an den man sich weit länger erinnert als an das Regime, dem er widersprach.

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