Mahalia Jackson
1911 – 1972 · United States

Bekannt für: Amerikanische Gospelsängerin und Stimme der Bürgerrechtsbewegung
“Sie sang das Evangelium und wollte nichts anderes singen.”
Biografie
Mahalia Jackson kam 1911 in New Orleans zur Welt, als Enkelin von Menschen, die in die Sklaverei hineingeboren worden waren, und wuchs als dreizehnte Bewohnerin im Dreizimmerhaus ihrer Tante im Sixteenth Ward auf. Ihre Mutter starb, als sie fünf war, und die Tante, die sie großzog, war streng und jähzornig. Zwischen Schule, Bodenschrubben und dem Damm, an dem die Kinder fischten, bildete die Kirche die andere Hälfte ihrer Kindheit. Mit vier Jahren sang sie im Kinderchor der Plymouth Rock Baptist Church, doch der Klang, der sie prägte, drang durch die Wand der kleinen Pfingstgemeinde nebenan, wo Trommel, Tamburin und stampfende Füße den Gesang trugen. Musikunterricht hat sie nie erhalten.
Als Jugendliche zog Jackson nach Chicago und schloss sich den Johnson Singers an, einer der ersten Gospelgruppen überhaupt. Fünfzehn Jahre lang war sie das, was sie selbst eine Sängerin für Fisch und Brot nannte: Zwischen Beerdigungen, Erweckungsversammlungen und politischen Kundgebungen verdiente sie sich ihren Unterhalt mit Gelegenheitsarbeit. Als Mädchen hatte sie den Blues von Bessie Smith gehört, und deren Phrasierung übertrug sie auf protestantische Kirchenlieder und auf die neuen Kompositionen von Thomas Dorsey, wobei sie über Melodie und Rhythmus frei improvisierte, in einem Alt von großem Gewicht. 1947 verkaufte sich Move On Up a Little Higher zwei Millionen Mal und erreichte Platz zwei der Billboard-Charts, beides ein Novum für den Gospel. Beim Singen weinte sie und bewegte sich, und es kamen Zuhörer, die nie eine schwarze Kirche betreten hatten. Angebote für weltliche Aufnahmen begleiteten sie ihr Leben lang, und sie schlug jedes einzelne aus.
Ihr Erfolg öffnete dem Gospel die Welt. Jackson war die erste Gospelkünstlerin, die durch Europa tourte, war ständig in Rundfunk und Fernsehen zu hören, sang 1961 die Nationalhymne beim Inaugurationsball von John F. Kennedy und verkaufte schätzungsweise zweiundzwanzig Millionen Platten. Weil sie die Rassentrennung im Süden erlebt hatte und in Chicago der Feindseligkeit weißer Nachbarn begegnet war, stellte sie ihre Stimme der Bürgerrechtsbewegung zur Verfügung: Sie sang bei Benefizveranstaltungen und 1963 auf den Stufen des Lincoln Memorial beim Marsch auf Washington, kurz bevor Martin Luther King jr., mit dessen Familie sie befreundet war, ans Rednerpult trat. Am 27. Januar 1972 starb sie mit sechzig Jahren bei Chicago; Zehntausende zogen an ihrem Sarg vorbei, in Chicago und danach in New Orleans. Soul, Rhythm and Blues und Rock and Roll arbeiteten alle in einer Form weiter, die sie eröffnet hatte.