Käthe Kollwitz
1867 – 1945 · Germany

Bekannt für: Künstlerin der Armut, des Krieges und der trauernden Mütter
“Ruht im Frieden seiner Hände.”
Biografie
Käthe Kollwitz kam am 8. Juli 1867 als Käthe Schmidt in Königsberg in Ostpreußen zur Welt, als fünftes Kind eines Maurers und Bauunternehmers, der Sozialdemokrat war. Ihre Mutter war eine Tochter von Julius Rupp, einem aus der Landeskirche ausgeschlossenen Pfarrer, der eine freie Gemeinde gründete; über Religion und Sozialismus wurde im Haus gestritten. Der Vater erkannte ihre Begabung und ließ sie mit zwölf Jahren Zeichenunterricht nehmen. Ab 1885 studierte sie bei Karl Stauffer-Bern an der Zeichen- und Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen, 1888 bei Ludwig Herterich in München, wo ihr klar wurde, dass ihre Stärke nicht in der Malerei lag, sondern in der gezeichneten Linie. 1891 heiratete sie den Arzt Karl Kollwitz, der in einem Berliner Arbeiterviertel eine Praxis für die Armen führte.
Die Kranken, die unten warteten, und die Frauen, die zu ihr hinaufstiegen, wurden zum Stoff ihrer Kunst. Nach einer Aufführung von Gerhart Hauptmanns Stück über die schlesischen Weber schuf sie den Zyklus Ein Weberaufstand, drei Lithografien und drei Radierungen, die einen Aufstand vom Hunger bis zur Niederlage verfolgen. Die Ausstellung von 1898 machte ihren Namen bekannt. Adolph Menzel schlug sie für die goldene Medaille der Großen Berliner Kunstausstellung vor, doch Kaiser Wilhelm II. verweigerte einer Frau die Auszeichnung. Zwischen 1902 und 1908 entstanden die sieben Radierungen des Bauernkriegs, ihr bestes Werk mit der Nadel, das mit einer Mutter endet, die nachts auf dem Feld den Leichnam ihres Sohnes sucht. 1914 fiel ihr jüngerer Sohn Peter in den ersten Kriegswochen in Flandern. Achtzehn Jahre arbeitete sie an den Granitfiguren der Trauernden Eltern, für den Zyklus Krieg griff sie zum Holzschnitt, kurz darauf zum Plakat Nie wieder Krieg.
1919 wurde Kollwitz als erste Frau in die Preußische Akademie der Künste gewählt, die ihr auch den Professorentitel verlieh. 1933 musste sie austreten, weil sie einen Aufruf gegen die Nationalsozialisten unterschrieben hatte. Ihr Mann starb 1940, ein nach Peter benannter Enkel fiel 1942, und 1943 zerstörten Bomben die Berliner Wohnung, die ein halbes Jahrhundert lang ihr Zuhause gewesen war. Ihre letzten Monate verbrachte sie in Moritzburg bei Dresden, wo sie am 22. April 1945 starb, sechzehn Tage vor dem Ende des Krieges in Europa. Ihre Plastik einer Mutter mit totem Sohn wurde nach ihrem Tod vergrößert und 1993 in der Neuen Wache in Berlin aufgestellt, der zentralen Gedenkstätte des Staates für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.