Hannah Arendt
1906 – 1975 · Germany

Bekannt für: Politische Theoretikerin des Totalitarismus und der Banalität des Bösen
“Nichts weiter, als zu denken, was wir tun.”
Biografie
Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 als Johanna Arendt in Linden bei Hannover geboren, in eine säkulare, politisch fortschrittliche jüdische Familie, die tief in Königsberg verwurzelt war und in der sie aufwuchs. Ihr Vater, ein Ingenieur, der auf seine Bibliothek der Klassiker stolzer war als auf seinen Beruf, starb, als sie sieben Jahre alt war; die Mutter, Musikerin und überzeugte Sozialdemokratin, zog sie allein groß. Die Bibliothek blieb. Nach der Schulzeit in Berlin ging sie zum Studium nach Marburg zu Martin Heidegger, mit dem sie eine Liebesbeziehung verband, die noch während ihrer Studienzeit begann, und danach nach Heidelberg, wo sie 1929 bei Karl Jaspers mit einer Arbeit über den Liebesbegriff bei Augustin promovierte.
1933 nahm die Gestapo sie kurzzeitig fest, weil sie Material über antisemitische Propaganda gesammelt hatte. Nach der Freilassung verließ sie Deutschland und ging nach Paris, wo sie für die Jugend-Alijah arbeitete und jungen Juden half, nach Palästina zu gelangen. Von den französischen Behörden als feindliche Ausländerin interniert, entkam sie und erreichte 1941 die Vereinigten Staaten, arbeitete als Autorin und Lektorin und wurde 1950 amerikanische Staatsbürgerin. Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft legte 1951 den Boden frei, aus dem nationalsozialistische und sowjetische Herrschaft gewachsen waren, und wog dabei besonders die moderne Staatenlosigkeit: den Zustand von Menschen, die nicht dieses oder jenes Recht verloren haben, sondern das Recht, Rechte zu haben. 1958 folgte Vita activa. 1961 berichtete sie vom Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem; das Buch von 1963 und die Formel seines Untertitels, die Banalität des Bösen, trugen ihr eine Kontroverse ein, die sie überdauerte.
Arendt lehrte in Berkeley, Princeton, Chicago und an der New School in New York, lehnte feste Professuren jedoch ab und wies den Titel der Philosophin zurück: Sie verstand sich als politische Theoretikerin. 1963 erschien Über die Revolution, es folgten Aufsätze und Vorlesungen über Autorität, Freiheit und die Lüge in der Politik. Am 4. Dezember 1975 starb sie in New York an einem Herzinfarkt, neunundsechzig Jahre alt. Den letzten Teil von Vom Leben des Geistes hat sie nicht mehr geschrieben; in ihrer Schreibmaschine lag ein Blatt, das nur den Titel trug, Das Urteilen. Geblieben ist ein Denken, das brauchbar bleibt, weil es nie ein System war, sondern die Gewohnheit, hinzusehen, was tatsächlich der Fall ist.