Antonín Dvořák

1841 – 1904 · Czechia

Antonín Dvořák

Bekannt für: Tschechischer Komponist der Sinfonie Aus der Neuen Welt

“Die Musik Böhmens, der ganzen Welt geschenkt.”

Biografie

Antonín Dvořák kam am 8. September 1841 in Nelahozeves zur Welt, einem Dorf an der Moldau nördlich von Prag, als ältestes von vierzehn Kindern eines Gastwirts und Metzgers, der sein Auskommen auch als Zitherspieler fand. Die Geige lernte er beim Dorfschullehrer, und er spielte in der Kirche und in einer Dorfkapelle, lange bevor er ermessen konnte, was ihm das bedeutete. Mit dreizehn schickte man ihn nach Zlonice, wo ihm sein Lehrer Antonín Liehmann Orgel, Klavier und Musiktheorie beibrachte und ihm das größere Repertoire erschloss; mit sechzehn erlaubte ihm der Vater den Musikerberuf, unter der Bedingung, dass er Organist werde. 1857 trat er in die Prager Orgelschule ein, verließ sie zwei Jahre später als Zweiter seines Jahrgangs und verbrachte danach fast ein Jahrzehnt als Bratschist, zunächst in der Kapelle von Karel Komzák, ab 1862 im Orchester des Interimstheaters, dessen Kapellmeister 1866 Bedřich Smetana wurde. Es waren karge Jahre, in denen er mit Klavierstunden die Miete verdiente und im Stillen unbeirrt komponierte, lange bevor jemand das Ergebnis hören wollte.

Die Anerkennung kam spät und dann rasch. 1872 erreichte seine Musik das Prager Publikum, 1873 mit wirklichem Erfolg, im Alter von einunddreißig Jahren, und im Jahr darauf gewann er einen Preis im österreichischen Staatswettbewerb, in dessen Jury Johannes Brahms saß. Nach dem dritten Erfolg empfahl ihn Brahms 1877 dem Verleger Simrock, der die Slawischen Tänze op. 46 in Auftrag gab; die Noten verkauften sich in hohen Auflagen und trugen seinen Namen binnen weniger Monate durch Europa. Was Simrocks Kunden hörten, war ein Komponist, der die Rhythmen und Wendungen böhmischer und mährischer Volksmusik nicht neben die sinfonische Tradition stellte, sondern mitten hinein. England gewann er nach einer Londoner Aufführung des Stabat Mater 1883, 1885 entstand die Siebte Sinfonie für London, und 1890 dirigierte er eigene Werke in Russland. 1892 ging er über den Atlantik, um das National Conservatory of Music of America in New York zu leiten, und schrieb dort die Sinfonie Aus der Neuen Welt und das Cellokonzert, in einem Sommer bei tschechischen Siedlern in Spillville, Iowa, zudem das Streichquartett F-Dur, das Amerikanische.

Gehaltskürzungen und schlichtes Heimweh brachten Dvořák 1895 nach Böhmen zurück; seine letzten Jahre gehörten Prag, dem Unterricht am Konservatorium, das er später leitete, und der Bühne. Neun seiner zehn Opern vertonen tschechische Texte, und die dauerhafteste von ihnen, Rusalka, kam 1901 auf die Bühne. Er starb am 1. Mai 1904 in Prag und wurde auf dem Vyšehrad beigesetzt, unter den Dichtern und Komponisten seines Landes. Geblieben ist ein Werk, das überall gespielt wird: neun Sinfonien, die Konzerte, die Kammermusik, die siebte Humoreske und das Lied, das man im Deutschen als Als die alte Mutter kennt, Stücke, die so vertraut sind, dass viele, die sie summen, ihren Urheber nicht kennen. Das Festival Dvořákova Praha versammelt sich jährlich um diese Musik, und was er durch sein Beispiel entschied, dass nämlich eine nationale Stimme und die europäische Tradition kein Gegensatz sein müssen, gilt seither.

← Himmel der Legenden