Amália Rodrigues
1920 – 1999 · Portugal

Bekannt für: Die Königin des Fado
“Ihre Stimme gab der Saudade einen Klang, den die ganze Welt erkannte.”
Biografie
Amália Rodrigues wurde am 23. Juli 1920 in Pena, einem Stadtteil von Lissabon, geboren, in eine Familie, die aus dem Kreis Castelo Branco im Landesinneren in die Hauptstadt gekommen war; sie selbst beharrte zeitlebens darauf, ihr wirklicher Geburtstag sei der erste Juli gewesen. Sie wuchs in Armut auf und nahm jede Arbeit an, die sich fand, unter anderem den Verkauf von Obst an den Kais von Lissabon. Um 1935 begann sie zu singen, als der Fado noch die Musik der Tavernen und ihrer Leute war; ihr erstes berufliches Engagement in einem Fadolokal hatte sie 1939. Der Komponist Frederico Valério erkannte, was diese Stimme zu tragen vermochte, und schrieb ihr eine Reihe von Melodien, darunter Ai Mouraria und Que Deus Me Perdoe. Anfang der vierziger Jahre war sie in ganz Portugal berühmt.
Was Rodrigues aus dem Fado machte, reichte weit über die Taverne hinaus. 1943 trat sie zum ersten Mal im Ausland auf, 1945 entstanden in Brasilien ihre ersten Aufnahmen, und 1950 stellte sie bei internationalen Benefizkonzerten das Lied Coimbra vor, das die Welt später als April in Portugal kannte. 1953 war sie die erste portugiesische Künstlerin im amerikanischen Fernsehen, und ab 1956 kehrte sie zehn Spielzeiten lang, verteilt über mehr als drei Jahrzehnte, in das Pariser Olympia zurück. Die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Alain Oulman ab 1962 veränderte die Musik selbst: Gedichte von Camões, David Mourão-Ferreira und Pedro Homem de Mello sowie ihre eigenen Verse wurden zu Fados, und aus dieser Verbindung gingen die Lieder hervor, die von ihr nicht zu trennen sind, Povo Que Lavas no Rio, Maria Lisboa, Abandono und Estranha Forma de Vida. Sie spielte auch in Filmen und erhielt 1947 für Fado den portugiesischen Preis als beste Filmschauspielerin, ein zweites Mal 1965.
Die Jahre nach der Revolution vom 25. April 1974 waren bitter. Rodrigues, die zu Salazars Zeiten die portugiesische kommunistische Partei still finanziell unterstützt hatte, wurde öffentlich und zu Unrecht beschuldigt, für die politische Polizei gearbeitet zu haben; der Vorwurf stürzte sie in eine schwere Depression. Die Anschuldigung verblasste, ihr Publikum nicht, und seit den siebziger Jahren wurde sie besonders in Italien und Japan gefeiert. Am 6. Oktober 1999 starb sie in Lissabon, und das Land hielt inne: Es wurden drei Tage Staatstrauer ausgerufen, und 2001 wurden ihre sterblichen Überreste in das Nationale Pantheon überführt, eine Ehre, die Portugal nur wenigen zuteilwerden lässt. Sie ist bis heute die meistverkaufte portugiesische Interpretin, und der Fado, den sie aus den Tavernen in die Welt trug, wurde 2011 in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.