Alma Karlin
1889 – 1950 · Slovenia

Bekannt für: Reiste allein mit der Schreibmaschine um die Welt
“Allein ging sie in die Welt und brachte sie in Worten nach Hause.”
Biografie
Alma Karlin wurde am 12. Oktober 1889 in Celje geboren, einer untersteirischen Stadt, die damals zu Österreich-Ungarn gehörte und heute in Slowenien liegt. Ihr Vater Jakob Karlin war Major der kaiserlichen Armee und starb, als sie acht Jahre alt war; ihre Mutter Vilibalda Miheljak war Lehrerin. Karlin kam mit einer Fehlbildung der Wirbelsäule zur Welt und trug als Kind Stützapparate, und sie wuchs in einem überwiegend deutschsprachigen Milieu auf, das auch ihr Selbstbild prägte. Nach der Schule in Graz ging sie 1908 nach London und stürzte sich mit ungewöhnlichem Eifer auf Sprachen: Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch und die skandinavischen Sprachen, später Persisch, Chinesisch und Japanisch. Ein halbes Jahr in Paris brachte Kurse an der Sorbonne und Esperanto; in jenen Jahren begann sie mit dem Wörterbuch in zehn Sprachen, das sie zusammenstellte und nie veröffentlichte.
Der Erste Weltkrieg traf sie in London, wo sie als Übersetzerin arbeitete; als österreichisch-ungarische Staatsbürgerin musste sie nach Skandinavien ausweichen. Dort schätzte die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf ihre Arbeit so hoch, dass sie Karlin für einen Nobelpreis vorschlug. 1919 kehrte sie nach Celje zurück, eröffnete eine Sprachschule, unterrichtete bis zu zehn Stunden täglich und sparte. Am 24. November 1919 brach sie erneut auf, diesmal für neun Jahre, mit rund 130 Dollar, einer Schreibmaschine und ihrem Wörterbuch. Sie finanzierte die Reise unterwegs, als Dolmetscherin und mit Beiträgen für Zeitungen und Zeitschriften, und durchquerte Süd- und Nordamerika, die pazifischen Inseln, Australien und Asien; die letzte Station war Indien. Lange galt sie als erste Europäerin, die allein die Erde umrundete. Tatsächlich war sie nach Ida Pfeiffer die zweite, und sie tat es fast ohne Mittel.
Im Januar 1928 kam sie auf Bitten ihrer sterbenden Mutter zurück, erschöpft von Krankheit und Schwermut, und reiste nie wieder weit. Ihr dreibändiger Bericht Einsame Weltreise erschien zwischen 1929 und 1933 und machte ihren Namen in ganz Europa bekannt; insgesamt schrieb sie mehr als vierzig Bücher. Aus Protest gegen das nationalsozialistische Regime, das ihre Bücher verbrennen ließ, gab sie das Schreiben auf Deutsch auf. Sie beherbergte den antifaschistischen Journalisten Hans Joachim Bonsack, wurde nach der deutschen Besetzung der Untersteiermark 1941 verhaftet und in Maribor zur Verschleppung festgehalten; auf Betreiben ihrer Gefährtin Thea Schreiber Gammelin kam sie in Hausarrest frei. 1944 floh sie in das von Partisanen gehaltene Bela krajina und erlebte das Kriegsende in Dalmatien. Am 14. Januar 1950 starb sie in Pečovnik bei Celje an Brustkrebs und Tuberkulose; sie ist in Svetina neben Gammelin bestattet. Die Gegenstände, die sie von unterwegs nach Hause geschickt hatte, bewahrt das Regionalmuseum Celje, ein großer Teil ihrer Schriften ist bis heute unveröffentlicht.