Albert Schweitzer

1875 – 1965 · Germany

Albert Schweitzer

Bekannt für: Arzt, Organist und Denker der Ehrfurcht vor dem Leben, Friedensnobelpreis 1952

“Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.”

Biografie

Albert Schweitzer wurde am 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Elsass geboren, das damals zum Deutschen Reich gehörte, und wuchs im Dorf Gunsbach auf, wo sein Vater als evangelischer Pfarrer wirkte und ihm den ersten Musikunterricht gab. Die mittelalterliche Dorfkirche teilten sich Protestanten und Katholiken, die zu verschiedenen Stunden im selben Raum beteten; diese frühe Lehre der Duldsamkeit begleitete ihn ein Leben lang. Orgel lernte er bei Eugène Munch in Mülhausen, und 1893 spielte er in Paris vor Charles-Marie Widor, der so beeindruckt war, dass er den jungen Elsässer unentgeltlich unterrichtete. Ab 1893 studierte er in Straßburg evangelische Theologie und promovierte 1899 mit einer Arbeit über die Religionsphilosophie Kants; später kam das Medizinstudium hinzu, das er 1913 abschloss.

Zwei Berufungen liefen nebeneinander her. Als Musiker und Gelehrter vertrat er die Ansicht, Bachs Choralvorspiele seien bildhaft und ihre Figuren malten die Worte der zugrunde liegenden Lieder; dargelegt hat er das 1905 in J. S. Bach: Le Musicien-Poète, das er für die zweibändige deutsche Ausgabe von 1908 neu schrieb. Seine Schrift über den Orgelbau von 1906 löste die Orgelbewegung aus, die den Orgelbau von romantischen Übertreibungen zu barocken Grundsätzen zurückführte. Im selben Jahr erschien die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, die sowohl die liberale Wissenschaft als auch die kirchliche Überlieferung erschütterte, weil sie Jesus fest in die apokalyptische Erwartung seiner eigenen Zeit stellte. Dann begann er das Medizinstudium und ging 1913 mit seiner Frau Helene, einer ausgebildeten Krankenpflegerin, nach Lambaréné in Französisch-Äquatorialafrika, dem heutigen Gabun, um am Ogooué mitten im Urwald ein Spital zu bauen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem beide als deutsche Staatsangehörige interniert wurden, musste das Spital neu aufgebaut werden; er finanzierte es durch Orgelkonzerte und Vorträge in ganz Europa. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod, behandelte Lepra, Ruhr und Schlafkrankheit und formulierte jene Ethik, die er Ehrfurcht vor dem Leben nannte: kein Lebewesen ohne Not zu zerstören oder zu verletzen. Dafür erhielt er 1952 den Friedensnobelpreis; das Preisgeld verwendete er für ein Dorf für Leprakranke. In seinen letzten Jahren wandte er sich öffentlich gegen Kernwaffenversuche. Am 4. September 1965 starb Schweitzer in Lambaréné im Alter von neunzig Jahren und wurde am Fluss begraben.

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