Abebe Bikila
1932 – 1973 · Ethiopia

Bekannt für: Olympiasieger im Marathon, in Rom barfuß, in Tokio erneut
“Barfuß lief er in Rom zum Sieg und öffnete den Weg, dem Ostafrika bis heute folgt.”
Biografie
Abebe Bikila wurde am 7. August 1932 in Jato geboren, einer kleinen Siedlung im Bezirk Selale der Provinz Schoa im Hochland Zentraläthiopiens. Der Zweite Italienisch-Äthiopische Krieg zwang die Familie in seiner Kindheit in den abgelegenen Ort Gorro; später kehrte sie auf einen Hof nahe der alten Heimat zurück. Als Junge spielte er Gena, ein überliefertes Hockeyspiel, dessen Tore mitunter Kilometer voneinander entfernt standen. Um 1952, nach seinem Umzug nach Addis Abeba, trat er in das 5. Infanterieregiment der Kaiserlichen Garde ein, jener Eliteeinheit, die den Kaiser schützte; im Koreakrieg diente er im Kagnew-Bataillon. Mitte der fünfziger Jahre lief er täglich die zwanzig Kilometer von den Hügeln von Sululta hinunter in die Hauptstadt und wieder zurück, bis Onni Niskanen, ein schwedischer Trainer im Dienst der Garde, auf ihn aufmerksam wurde und ihn auf den Marathon vorzubereiten begann.
Niskanen meldete ihn für den Marathon der Olympischen Spiele 1960 in Rom. Die Schuhe, die Abebe in der Stadt gekauft hatte, passten schlecht und scheuerten, deshalb lief er das Rennen barfuß. Der Hitze wegen begann der Lauf am späten Nachmittag am Fuß des Kapitols und endete in der Dunkelheit am Konstantinsbogen; das letzte Stück entlang der Via Appia säumten Soldaten mit Fackeln. Gemeinsam mit dem Marokkaner Rhadi Ben Abdesselam setzte sich Abebe ab, zog auf den letzten fünfhundert Metern davon und siegte in 2:15:16,2, Weltbestzeit und zugleich die erste olympische Goldmedaille für Äthiopien. Vier Jahre später gewann er in Tokio, wenige Wochen nach einer Blinddarmoperation, erneut in Weltrekordzeit und verteidigte als erster Athlet den olympischen Marathontitel.
Ein Autounfall am 22. März 1969 machte ihn zum Gelähmten. Einen Teil der Beweglichkeit des Oberkörpers gewann er zurück, gehen konnte er nie wieder, und so wandte er sich den Sportarten zu, die ihm blieben: Während einer Behandlung in England trat er 1970 bei den Stoke Mandeville Games, einem frühen Vorläufer der Paralympischen Spiele, im Bogenschießen und im Tischtennis an, und bei einem Wettkampf für Behinderte in Norwegen gewann er 1971 den Schlittenlauf im Gelände. Am 25. Oktober 1973 starb er im Alter von 41 Jahren an einer Hirnblutung, die auf die Unfallfolgen zurückging. Man setzte ihn in einem Staatsbegräbnis bei, und Kaiser Haile Selassie ordnete einen Tag der Staatstrauer an. Schulen, Wettkämpfe und das Stadion in Addis Abeba tragen seinen Namen, und die ostafrikanischen Läufer nach ihm gehen den Weg, den er als Erster geöffnet hat.